Im Herbst 1963, genauer am 28.08.1963 auf der Berliner Internationalen Funkausstellung (IFA) stellte der Philips-Konzern ein neues bzw. weiteres Tonbandmedium vor. Bereits Konkurrenzunternehmen, darunter auch Grundig arbeiteten ebenfalls an der Idee, die Handhabung des klassischen "Schnürsenkels", dem 1/4"-Band mehr Bedienungskomfort zu geben. Durch Untersuchungen und Experimenten wußte man, das die Band-Technik ein Miniaturisierungspotential hat, ohne größere Verluste an Wiedergabequalität hinnehmen zu müssen.

Bis dahin war das Tonbandgerät das für den Konsumenten einzig erreichbare Gerät, selbst Tonaufzeichnungen vornehmen zu können. Tonbandgeräte für den Heim-Hobbyisten waren damals jedoch recht teuer und die Handhabung mit Spulen umlegen, Band einfädeln usw. nicht jedermanns Sache. Auch hatte die Industrie weitere Anwendungsideen, für die ein ausgewachsenes Tonbandgerät einfach zu groß und aufändig war. So z.B. Anrufbeantworter oder Diktiergeräte.

Zusammen mit der Compact Cassette stellte Philips auch zugleich ein Aufnahme-/Abspielgerät vor: Den Cassettenrecorder Philips EL 3300. Ein einfaches kleingerät mit Monosignalverarbeitung. Einfach zu bedienen. Musik aus dem Radio konnte ebenso aufgenommen werden wie akustische Signale aus der Umgebung mit dem beigepackten, externen Mikrofon. Auch war der Cassettenrekorder dank Batteriebetrieb mobil einsetzbar, im Haus sorgte ein ansteckbares, externes Netzgerät für die Energiversorgung.

Zur Zeit ihrer Erfindung war noch nicht absehbar, ob die Cassette Erfolg am Markt haben wird. Doch im weiteren Verlauf setzte sie sich durch, andere Formate verloren an Bedeutung, Grundig nahm bereits 1967 seine etwas größere, aber recht ähnlich aufgebaute "DC International" wieder vom Markt. Lediglich das 1/4"-Tonband blieb davon unberührt. Bei Leuten, die sich gern Musikserien zusammenstellen, sei es von Radio oder Schallplatten, erfreute sich die Cassette schnell steigender Beliebtheit. Durch die Portablität war auch der Austausch beliebt und die Nachfrage stieg. Für einfache Anlagen und Radiogeräte war der Klang ausreichend gut, wenn auch einem Tonbandgerät unterlegen. Damit erwies sich die Compact Cassette als ideales Unterhaltungsmedium.

1965 kamen die ersten fertig bespielten Cassetten als reines Abhörmedium auf den Markt. Nachdem sich Stereoanlagen immer weiter in besser ausgestatteten Haushalten etablierten, zog auch hier die Cassette nach und ab 1967 erschienen die ersten Cassettengeräte für Stereoaufnahme und -wiedergabe. Damit entdeckten auch anspruchsvollere Musikfreunde die Vorzüge von Cassetten. In den 70er Jahren wurde dank Weiterentwicklungen im Detail die Cassette HiFi-tauglich und machte auch im Wohnzimmer dem Tonbandgerät zunehmend Konkurrenz. So bekamen die damals noch deutlicher rauschenden Cassetten Schützenhilfe mit dem Rauschunterdrückungssystem Dolby B, welches das Bandrauschen in ein sehr erträgliches Maß reduzierte. Musik konnte man nun auch von der Cassette genießen.

Gegen Ende 60er Jahre wurde die Cassette auch bei Jugendlichen immer beliebter. Günstiger Preis, einfache Handhabung und Portablität waren bei dieser Gesellschaftsgruppe weit gefragter als bei den "Elterngenerationen" mit eigenen Hausstand und Einkommen. So konnten Schallplatten auf Cassette kopiert werden und (Pop)Musik fand eine größere Verbreitung. Die Musikindustrie wurde etwas nervös, doch erlebte die Schallplatte deshalb keinen nennenswerten Absatzeinbruch. Die Jungen Leute hatten ohnehin nicht das Geld, so viele Schallplatten zu kaufen, nur jetzt die Möglichkeit, viele als Kopie überhaupt zu hören.

Den technischen Anfang machten die auf Tonbandmaterial basierenden Cassettenbänder mit Eisenoxyd. Aufgrund der Miniaturisierung waren allerdings Einbußen in der Hochtonwiedergabe und Bandrauschen hinzunehmen. Besonders im Direktvergleich mit der Schallplatte fiel das auf. Neben der Erfindung von Dolby B als Rauschunterdrückung war auch die Bandindustrie rührig. BASF führte nach AGFA als Marktführer in Europa das Chromdioxydband ein, welches eine deutlich verbesserte Höhendynamik mit sich brachte, allerdings brauchten die Cassettengeräte hierfür auch einen anderen Arbeitspunkt. Daher erhielten die Geräte einen Bandsortenwahlschalter. Später versuchte man die etwas bessere Grundtonwiedergabe des Eisenoxyds mit der Hochtondynamik des Chromdioxyds zu vereinen und die ersten Zweischichtbänder kamen als "Ferrochrom" auf den Markt. Sie repräsentierten damit den damaligen Stand der Technik.

In der zweiten Hälfte der 70er Jahre wurden dann die Japaner zunehmend auf dem Unterhaltungselektronikmärkten international aktiv und auch sie entdeckten die Cassette. Sie forschten und entwickelten fleißig und begannen mit preisgünstigen Innovationen Stück für Stück Marktanteile zu erobern. Während BASF weiter an Chromdioxyd als bevorzugtes Bandmaterial festhielt entwickelten die Japaner eine eigene Bandsorte, schon um nicht so viele Lizenzgebühren nach Europa zahlen zu müssen. Sie ummantelten das Eisenoxyd mit Kobalt und erreichten so die Eigenschaften von Chromdioxyd mit verbesserten Eigenschaften gegen Tonkopf-Verschleiß, bessere Aussteuerbarkeit, Höhendynamik und Rauschabstand. Es wurden die Marken TDK und Maxell damit berühmt und die Qualität ihrer Bänder weltweit geschätzt. Dazu liefertendie Japaner auch immer bessere Cassettendecks, wie man die Geräte jetzt nannte und setzen auch auf diesem Gebiet die Europäische Unterhaltungselektronikindustrie zunehmend unter Druck.

In den 1980er Jahren übernahmen die Japaner schließlich die Marktführerschaft. Die Europäer kapitulierten vor der japanischen Technologieführerschaft. Das war gerade an der Cassettentechnik gut sichtbar. Aus Japan kamen überlegenen Cassettendecks mit immer neuen Errungenschaften. Bedienungskomfort, technische Daten, Ergonomie und Wirtschaftlichkeit machten die Geräte für den Konsumenten attraktiver als Europäische Entwicklungen. Das zwang auch die Europäische Industrie zunehmend, in Japan per Auftrag produzieren zu lassen. BASF konnte zwar noch mit Produktqualität kontern, war im Allgemeinen aber schon gegen TDK und Maxell in der Defensive, die auch hier die Technologie- wie Marktführerschaft übernommen hatten und diese auch nicht mehr hergaben. Ab Anfang 80er etablierte sich die vierte Bandsorte "Reineisen" oder "Metal". Rostgeschützte Eisenpartikel statt Oxyde ermöglichten eine weitere Steigerung der Höhendynamik und sicherten auch gegen einen Höhenverlust bei Langzeitlagerung. Die Oberklasse in der Cassettenbandtechnik, allerdings auch deutlich teurer. Dolby C wurde eingeführt und machte selbst bei alten Eisenoxydcassetten dem Rauschen den Garaus. Weitere Rauschunterdrückungssysteme als Breitbandkompander wie dbx, adres und Highcom blieben dabei eher Nischenprodukte. Dolby HX-Pro diente der besseren Höhenaussteuerung und war auch auf Altgeräten abspielkompatibel, da es nur bei der Aufnahme arbeitete. Die Industrie bot teils schon sehr beeindruckende Cassettengeräte, die in die Domänen der Bandmaschinen vordrangen, von der Größe aber auch im Preis. Von Standard- über gehobene bis Spitzengeräte reichte die Angebotspalette für jede Brieftasche und Ansprüche.

Durch die sich stetig verbessernde Bandtechnik, mittlerweile auch mit Vor- und Hinterbandkontrolle, erreichte die Cassette bei Schallplattenkopieen eine Wiedergabequalität, die ein Tonbandgerät oft überflüssig machte. Ab Mitte 80er Jahre erlitt das Heimtonbandgerät daher seinen Niedergang, nur wenige Jahre nachdem die Japaner in die Herstellung von Tonbandgeräten eingestiegen waren. Der Bedarf an Heimtonbandgeräten verringerte sich derart, das eine Großserienproduktion nicht mehr wirtschaftlich war. Das Cassettendeck hatte nun endgültig die Tonbandmaschine im Wohnzimmer von ihrem Platz verdrängt. In den Studios konnte sich die Bandmaschine dagegen behaupten, dort gelten auch andere Kriterien.

1983 kam im Nachbarmedium Schallplatte allerdings ein neuer Konkurrent: Die Compact Disc. Nicht mehr mit analogen Signalen, sonder mit digitalen Daten, die bei der Wiedergabe wieder von einem Prozessor als analoges Signal zusammengerechnet wurden. Kein Rauschen, kein Knistern, kein Jaulen mehr. Etwas längere Spieldauer als die Schallplatte, zudem ohne das Medium wenden zu müssen. Eine neue Ära brach an.

Anfang 90er Jahre erlebte die Compactcassette ihren Zenit. Die Cassettendecks waren höher integriert und ausgereift, automatische Bandeinmessung bei den höherwertigen Geräten ließ auch speziellere Cassettentypen mit Zweischichtbändern verschiedener Hersteller zu und holte nahezu immer das Optimum des Bandes an Aufnahmequalität heraus. Die Schallplatte wurde Stück für Stück vom Markt gedrängt. Von nun an wurden zunehmend CDs auf Cassette kopiert. Die Unterhaltungselektronikindustrie wandte sich damit auch zunehmend der digitalen Signalverarbeitung zu. Auch digitale Bandaufzeichnung wurde eingeführt, aber das "DAT" (Digital Audio Tape) konnte sich nicht mehr in größeren Stückzahlen wie die Cassette etablieren und blieb ein Nischenprodukt, welches sich nur in den Studios halten konnte. Die Cassettendecks konnten dank Dolby C und zuletzt Dolby S eine CD-Aufnahme so gut wiedergeben, das selbst geübte Hörer auf sehr guten Anlagen Schwierigkeiten hatten, zwischen CD und Cassettenkopie zu unterscheiden. Ab Mitte 90er Jahre wurde dann auch die Weiterentwicklung der Cassettentechnik eingestellt. Die Hersteller gaben den Geräten nur noch von Zeit zu Zeit neue Gehäusedesigns, aber die Technik blieb im wesentlichen die Gleiche, welche mittlerweile auch preisqünstiger produziert wurde. Die Industrie richtete sich im Hintergrund bereits voll auf die Digitaltechnik aus.

Der Niedergang der Cassette und den Cassettengeräten kam zur Jahrtausendwende. Der PC zog mittlerweile in die Haushalte ein und zu einem guten PC gehörte auch ein CD-Brenner, mit dem sich CDs 1:1 kopieren ließen. Damit entfiel immer öfters der Bedarf nach einem Cassettendeck, zumal viele Konsumenten ihre Schallplatten gegen CDs ersetzten. Auch in Autoradios ersetzte immer öfters ein CD-Laufwerk das Cassettenlaufwerk. Musik wurde nur noch auf bechreibbaren CDs kopiert, man konnte sich auch eigene Zusammenstellungen von Musikstücken brennen. Alles in 1:1-Qualität. So schwand auch der Bedarf an Cassettendecks. Auch wenn der Zusammenstellungs- und Brennprozess etwas arbeitsaufwändiger war, war ingesamt eine neue CD schneller erstellt als eine C60 Cassette aufgenommen. Die Gerätehersteller stellten daher bis etwa 2005 nach und nach die Produktion ihrer Cassettendecks ein und die Bandhersteller ihre hochwertigen Serien von Cassetten.

2010 bot nur noch TDK im verbilligten Gehäuse ein TypII-Band an (SA) sonst gab es nur noch zwei Eisenoxydbänder TypI von Maxell, Sony und Emtec. Wer noch die Spitzen-Cassettentypen haben möchte, muß sich auf dem Gebrauchtmarkt umschauen, hin- und wieder werden auch noch Bestände mit originalverschweißten Cassetten angeboten (NOS = New On Stock). Mittlerweile werden in Europa nur noch Lagerbestände an Compact Cassetten verkauft, Neuproduktionen gibt es nicht mehr.

Heute wird die Cassettentechnik von treuen, alten Fans gepflegt, als Erbe einer großen, prägenden Ära aus der Analogtechnik. Gut gewartete Geräte erreichen auch heute noch eine hervorragende Wiedergabequalität, die eine Aufnahme von einem sehr guten Analogplattenspieler besser wiedergeben kann, als von einem sehr guten CD-Spieler. In der Digitaltechnik gibt es bis heute kein Gerät, welches auf solch einfache Weise eine Aufnahme als Mitschnitt ermöglicht, wie das Cassettendeck.