Die B-215 kam nach der B-710 (von der Studer A-710 abgeleitet) und berücksichtigte die Benutzeranforderungen seiner Zeit. Willi Studer weigerte sich lang, ein Cassettendeck entwickeln (zu lassen), da er von der Cassettentechnik eigentlich nicht viel hielt, vor allem, wenn seine Name mit hochklassiger Studiotechnik einschließlich seiner legendären Tonbandmaschinen assoziiert wird. Aber der Rückgang der Nachfrage an Heimtonbandgeräten und der offensichtliche Erfolg der Japaner bei der Cassettentechnik ließ ihm dann doch keine Ruhe und entschloss sich mit einem Cassettengerät an den Markt zu gehen. Wie bei Studer aber üblich nicht einfach irgendwas, sondern ein Cassettendeck, welches dem Ruf und Anspruch des Hauses Studer/Revox gerecht wird. Man strebte nicht weniger als das perfekte Cassettendeck an.


Die B-215 ist schon eher eine Cassettenbandmaschine. Das Laufwerk ist mit 4 Motoren ausgestattet, alle im Direktantrieb auf die jeweiligen Wickel- und Capstanachsen. Die Capstanmotoren zudem quarzstabilisiert. In der Tat sind Gleichlaufschwankungen sehr gering, die Laufruhe hoch, dank der Quarzstabilisierung keine nennenswerten Abweichungen von der Sollgeschwindigkeit. Die Steuerung erfolgt rein elektronisch über Logikschaltungen, auch die des Aufnahme-/Wiedergabeteils. Eine Kleincomputerlogik erlaubt nicht nur das automatische Einmessen auf die gerade verwendete Bandsorte, zusätzlich hat man zwei weitere Speicherplätze um zwischenzeitlich die Bandsorten wechseln zu können, ohne erneut einmessen zu müssen. Eine rote LED-Lichtschranke erkennt Bandanfang und -ende wie bei den großen Bandmaschinen.

 

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Das Display wird mit zwei Aluhaltern von hinten ins Gehäuse geklebt, leider hatte sich hier die Verklebung gelöst. Ist aber relativ einfach wieder gerichtet.

 

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Die noch ungereinigte Kopfeinheit.

 

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Ein Blick von oben. Links die Steckplatine für Netzteil und Steuerlogik, Mitte Laufwerk und Trafo. Halbrechts die Aufnahmeplatine, ganz rechts die Dolbyplatine und unten die für Ein- und Ausgangsverstärker. Die beiden orangen Schaumstoffstreifen vorn zerbröseln bereits durch Alterung und werden ersetzt.

 

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...hier mit den neuen Schaumstofftreifen, die das Gehäuse bedämpfen.

 

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Blick von hinten auf das Laufwerk.

 

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Das Laufwerk von unten. Die Schwungmassen sind großzügig dimensioniert und feingewuchtet. Das Laufwerk arbeitet sehr ruhig und sanft.

 

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Die Elkos mit 22µF in den Koppelzweigen wurden mit WIMA-FKC 5% gebrückt. Das macht sich klanglich mit hörbar besserer Transparenz bemerkbar.

 

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Die Originale Displaybeleuchtung. Da bereits ein Birnchen defekt war, entschied ich, gleich gegen LED zu tauschen. Kostet fast weniger und ist eine dauerhafte Lösung.

 

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Vier grüne Rundumlicht-LED mit 900mCd werden für ein brilliantes Licht sorgen. Durch einfache Lötung können die originalen Lämpchenfassungen jedoch jederzeit wieder eingesetzt werden.

 

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Hier zum Vergleich die originale Beleuchtung des Displays...

 

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...und hier mit LED. Die Beleuchtung ist nun deutlich heller, ohne das sie blendet aber dennoch nicht mehr auf Fremdlicht angewiesen ist. Das Licht wirkt brilliant und verbessert auch den Kontrast des Displays.

 Die B-215 überzeugt durch hohe Laufruhe, sanften Umgang mit dem Bandlauf und sehr gute Frequenzgänge. Auf ein Diagramm verzichte ist dieses Mal. Der Frequenzgang ist stets recht linear mit max. 2dB Abweichung und endet bei -3dB für TDK-D bei 20kHz, bei Maxell MX-S bei 22kHz und erstaunlicher Weise bei TypII-Bändern wie TDK-SA bei 23,5kHz und wenn es das Cassettengehäuse es in Sachen präziser Bandführung erlaubt sogar bei BASF Chromdioxyd SuperII 24kHz.

Die Wiedergabefähigkeit der B-215 ist dann entsprechend. Man glaubt schon eher eine Bandmaschine als ein Cassettendeck zu hören. Um die Grenzen auszuloten bedarf es schon eines hochwertigen Plattenspielers mit sehr anspruchsvollen Aufnahmen. Mit dem MC30 Supreme wurde Paul Kuhns "As Time Goes By" aufgenommen. Eine HD-Digitalaufnahme auf LP in der Qualität eines Direktschnitts. Der TD126 verrät sich im Direktvergleich zur B-215 nur durch eine geringfügig höhere Filigranität in der Wiedergabe, aber das sind schon sehr feine Nuancen. Die B-215 erlaubt genussvolles Musikhören auch mit sehr hohen Ansprüchen an die Wiedergabequalität. So manch Unbedarfter dürfte bei Erstkontakt mit der B-215 staunen, das gerade eine Cassette statt Platte läuft...
Unter Cassettenfreunden hat die B-215 daher heute noch ihren Stellenwert und ihre Beliebtheit. Sie spielt in der Topklasse, wo es nur wenige Konkurrenten wie Nakamichi oder Pioneer gibt.

 

Technische Daten (Werksangaben)

Type: 2-head, single compact cassette deck

Track System: 4-track, 2-channel stereo

Tape Speed: 4.76 cm/s

Heads: 1 x record/playback, 1 x erase

Motor: 2 x reel, 2 x capstan

Tape Type: type I, Cr02, Metal

Noise Reduction: B, C

Frequency Response: 30Hz to 20kHz  (Metal tape)

Signal to Noise Ratio: 72dB  (dolby C)

Wow and Flutter: 0.1%

Total Harmonic Distortion: 1.0%

Input: 50mV (line)

Output: 0.775V (line)

Dimensions: 450 x 332 x 153mm

Weight: 10.15kg

Note: optional system remote control