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Technics meets Sony

Umbau eines Technics SL-1410 MkII mit einem neuen Tonarm von Sony

Technics als Produktmarke des Matsushita-Konzerns (Panasonic) und Sony waren bis in die 90er-Jahre die beiden weltführenden Konzerne in der Unterhaltungselektronik und sind heute noch in vielen Sparten tonangebend.

Bei den Plattenspielern ist wohl Technics der Inbegriff für Direktantriebe, auch wenn Sony ebenfalls beachtliche Direktantriebsspieler gebaut hatte. Beide boten auch Tonarme an, hier waren aber besonders die "PUA" von Sony legendär.

Ursprünglich wollte ich einen TD 126MkII mit einem Sony-Tonarm ausstatten. Habe ich doch bereits den PUA 1600 L (Langversion mit 11,4" / 286mm) so sollte hier als Pendant der "S" (kurze bzw. normale Länge mit 9,5" / 237mm) verbaut werden. So erstand ich relativ günstig ein Exemplar, was sich im Nachhinein allerdings nicht unbedingt als Schnapp herausstellte, denn der 1600 S hatte einen Lagerschaden, dazu aber später mehr.

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Zielsetzungen

Es bestand der Wunsch nach einem "modernen" Plattenspieler, der zuverlässig funktioniert, beste Laufwerte aufweist, einfach wie komfortabel bedienbar ist, eine gewisse Alltagsrobustheit besitzt und zudem noch eine hochwertige Wiedergabeeigenschaft besitzt, im Idealfall sogar ein wenig meinen TD126MkIII übertrifft.


Vorüberlegungen

Es sollte also ein recht hochwertiger Technics Direktantrieb mit dem Sony PUA 1600 S kombiniert werden. Im Netz fand ich so einen Umbau, der aber nicht richtig konsequent umgesetzt war, denn die hölzerne Armbasis wurde ins Gehäuse montiert, nicht auf das Schwingchassis, wodurch es sichtbare Probleme mit der richtigen Armhöhe gab. Technics baut seine Teller relativ flach, wodurch es für viele extern verbaute Tonarme schnell recht eng wird, da sie nicht genügend abgesenkt werden können.

Daher ersann ich mir ein neues Konzept, um dieses Problem zu lösen. Der 1410MkII gehört zu einer recht erfolgreichen Bauserie von Technicsplattenspielern, die ingesamt über 400000 mal gebaut wurde. Die beiden meist vertretenen Exemplare (von mir geschätzt) zu je 40% waren der vollautomatische 1300/1310MkII, gefolgt vom ebenso zahlreich vertretenen halbautomatischen 1400/1410MkII mit Endabschaltung und Tonarmrückführung. Der 1500/1510MkII war fast baugleich mit dem 1410MkII, nur voll manuell ohne Tonarmantrieb. Eine ebenfalls eher seltene Bauvariante war dann der SL-150/151MkII, welcher einen fixen MDF-Boden bekam und ohne Tonarm zum Einbau eines Tonarms eigener Wahl geliefert wurde. Technics bot als Zubehör eine vorgefertigte SME-Basis dazu an. "..00" als Zahlenendung stand für Silber, "..10" für das Schwarzolivmetallic, auch als "Technicsfarbe" bekannt. Der Plattenteller wiegt etwa 2,5kg, nur 0,4kg leichter als der optisch ähnliche Teller des SP-10MkII.

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Um den 1410MkII für einen externen "Fremdtonarm" tauglich zu machen, mußte ich überlegen, wie ich den Sony montieren könnte. Als Träger intern diente eine Stahlblechplatte, die auf Kunststoffbolzen aufgestelzt war. Hierauf befanden sich Lager/Motoreinheit, Rückführungsmechanik für den Werkstonarm wie auch die Befestigung für diesen. 

 

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Die originale Trägerplatte aus Stahlblech

Ich überlegte dann drei Varianten für den Ersatz.

a) Beibehaltung und Anpassung der originalen Trägerplatte
b) Ersatz der Trägerplatte durch eine angepaßte Neuanfertigung aus Aluminium auf Metallbolzen
c) Ersatz der Trägerplatte durch eine angepaßte Neuanfertigung aus massiven MDF

Der 1410 hat intern eine Bodenträgerplatte aus massiven, glasfaserverstärkten Kunststoff, die als federndes Schwingchassis gegen Vibrationen ausgeführt ist. Eine Metallplatte auf Bolzen kann noch Resonanzschwingungen übertragen und deren Steifigkeit ist auch durch die Aufstelzung auf Bolzen begrenzt. So entschied ich mich für Variante c), eine form- und kraftschlüssig montierte, 25mm starke MDF-Platte zu nehmen. Auf dieser aufgebaut kommt dann eine 19mm-MDF-Platte als Tonarmbasis. MDF läßt sich relativ leicht verarbeiten, hat gute Dämpfung, ist dennoch sehr stabil und geht mit dem glasfaserverstärkten Boden eine sehr solide und resonanzarme Verbindung ein. Zu den wichtigen Baugrundsätzen eines Plattenspielers gehört eine sehr rigide Verbindung zwischen Tonarm und Tellerlager. Damit war die Marschrichtung für das Laufwerk vorgegeben.

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 Den 1410MkII erwarb ich mit defekten Tonarmlift (bekannter Fehler, ein Kunststoffhebel platzt durch Alterung), geklebten Riß in der Haube und einigen Kratzern im Lack, dafür günstiger als der durchschnittliche Handelspreis. Für den geplanten Umbau genügte mir das. Technisch war aber sonst soweit alles ok.

 

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Unterseite des werksmäßig verbauten Tonarms. Hier fehlt bereits die lange Feder für das Antiskating. Der lange schwarze Hebel auf der linken Hälfte des Teils ist das defekte Teil für den Tonarmlift. Da ich für diesen Tonarm keine weitere Verwendung habe, sind diese Fehler für meinen Fall belanglos.

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Nun mußte alles ausgemessen werden, damit die Trägerplatte genau paßt, auch die Aussparungen für den Tonarm und ein ebenso passendes Tonarmbrett. Ziel war, den vorhandenen Ausschnitt im Gehäuse optimal zu nutzen ohne das ich dort etwas verändern mußte. Der Montageflansch des Sony-PUA sollte etwa 2cm unterhalb der Gehäuseoberseite montiert werden, damit es keine Probleme mit der Höheneinstellung gibt. Eng wird es dennoch beim Lifthebel, Antiskating und der Zugänglichkeit der Fixierschrauben der Höheneinstellung. Zu Probe setzte ich meinen PUA-1600 L auf, der an der Basis fast baugleich ist. So fand ich dann die optimale Montageposition für den Montageflansch.

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Dann kam das "reine" Teil, hier habe ich die Montagefläche der Tonarmbasis erweitert, um die Stabilität zu erhöhen.

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Die Tonarmbasis aus 19mm schwarzen MDF mußte speziell ausgeformt sein, damit sie paßt. Ich habe gleich 4 Stück hergestellt, um eventuell einen anderen Tonarm einzubauen, aber eher unwahrscheinlich.

Zudem wurde die Bodenplatte ausgebohrt, um für den Unterbau des Tonarms Platz zu schaffen, wozu auch der Anschluß gehört. Zum Abschluß habe ich die Holzteile schwarz lackiert.

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n der äußeren rechten Ecke bekam die Tonarmbasis noch einen Bolzen, der für eine weitere Stabilisierung sorgt.

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Die Abdeckung mußte etwas angepaßt werden.

 

Nach anfänglichen Überlegungen, den Lack auszubessern entschied ich mich doch für eine Neulackierung des Gehäuses. Der Technicslack ist aber in seiner Zusammensetzung einzigartig. Eine Nachmischung bei einem Lackierer wäre wohl möglich gewesen, aber ich wollte eine einfachere Lösung. Nach längeren Recherchen entdeckte ich den Autolack von VAG (VW, Audi , Skoda) "Black Oak Metallic". Dieser ist im Farbton fast identisch mit dem Technicslack, hat allerdings einen deutlich höheren Metallicanteil. Nach einer Probelackierung eines glattflächigen Gegenstandes war ich überzeugt und begann mit der Lackierung. Zuvor habe ich noch einige tiefere Kratzer ausgespachtelt. Damit möglichst kein Staub auf die frische Lackfläche fällt, habe ich mich zur "Überkopflackierung" entschieden, in dem ich das Gehäuse kopfunten an Heizungsrohren im Keller aufhing. Nach drei dünnschichtigen Durchgängen war der Lack homogen und deckend und ich konnte das Gehäuse weiter bearbeiten.

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..mit gespachtelten Schadstellen im Lack. Besonders die Haube kratzt mit ihren vorderen Ecken beim Aufsetzen im Lack.

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Durch den höheren Metallicanteil ist die Reflektion anders. Mitlicht dunkler, seitlich etwas gleich oder im Gegenlicht heller. Hier sieht man aber die hohe Farbähnlichkeit recht gut. Mir gefällt es so.

Auch die Bedienleiste hatte im Laufe der Jahre anscheinend Reinigungsmittel angesammelt und war an seiner Oberfläche mit vielen Microkratzern versehen. Reinigen sollte man besser nur mit einem Microfasertuch. Die Tasten hatten alle eine eigene Federung. Die Oberfläche habe ich neu poliert, damit waren alle wesentlichen Kratzer weg und eine neuer Glanz stellte sich ein.

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Die Tasten haben alle eine eigene Federung und sind dadurch spielfrei mit den Microtastern auf dem Board gekoppelt. Das ergibt eine angenehme Haptik. Bei billigeren Geräten findet man das nicht.


Die Elektronik wurde auf das rein manuelle Modell 1510MkII angepaßt. Damit entfiel die Abschaltsensorik am Tonarm, deren Steuerung auf der Trägerplatte war, die ebenfalls weggelassen werden konnte und auf der Hauptplatine wurde auch der andere Teil der Abschaltelektronik entfernt. Zudem wurden vorsorglich alle Elkos getauscht.

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Einbau der Elektroniksteuerung. Der Netztrafo ist sehr vibrationsarm hängend gelagert. Bei stehender Platte, Tonabnehmer aufgesetzt ist weder eingestreutes noch mechanisches Brummen wahrnehmbar.

  

Auch die Lagerachse und das Lager habe ich kontrolliert. Die Lagerachse habe ich nachpoliert. Oben vorher, darunter nachher.

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Der Lagerspiegel bekam nach der Reinigung ein Ölbad.

 

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Dann konnte es wieder an die Montage gehen. Es fehlte nur noch der Plattenteller.

Leider hatte Technics die Eigenart, bei allen Spielern der MkII-Serie einen erhabenen Rand am Tellerrand stehen zu lassen. Das machte das vollflächige Aufsetzen einer beliebig anderen Tellermatte fast sinnlos, da eine Ankopplung der Platte so durch Luftzwischenräume kaum möglich war. Die Oberfläche war aus rohen, unbehandelten Aluminiumguß, welcher durch schwarze Gußfarbe leicht egalisiert wurde. Da ich eine Glasmatte verwenden wollte, war das für mich nicht akzeptabel und fand eine örtliche Dreherei, die mir den Teller auf seiner Oberseite schön plan drehen konnte. Nun passen alle beliebigen Matten ohne Einschränkungen.

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er Aluteller läßt sich sehr gut mit "Wunderschwamm" und etwas "Putzstein" reinigen.

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Der erste Problelauf mit dem überarbeiteten Plattenteller verlief erfolgreich. Keine Auffälligkeiten.


Damit steht der 1410MkII nun bereit, den Sony PUA aufzunehmen.

 

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Die Tonarmbasis wurde an einer ihrer drei Montageschrauben auf die Masse des Plattenspielers gelegt. Damit geht der komplette Masseanschluß über das Tonarmkabel an den Phonoeingang des Verstärkers. Damit der lange Tonarmschaft, samt Tonarmstecker/-kabel Platz haben, mußte auch der Boden mit einem Kronenbohrer durchbohrt werden. Auch hieran erkennt man die hohe Stabilität des Kunststoff-Glasfaserverbundes.

 

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Der Tonarmschaft des Sony PUA-1600 ist recht lang nach unten. Damit das Tonarmkabel nicht aufsitzt und scharf knickt mußte ich den SL-1410 auf neue Füße stellen, die nun genug Raum nach unten lassen. Ich habe sie einfach unter die flachen Werksfüße geschraubt.

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Der kleine Überstand des Messingkonus verhinderte das Aufsetzen der Glasmatte auf dem Plattenteller. Sie schwebte etwa einen halben Millimeter darüber.

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Mit einem Schleifkegel an einem Hobbybohrer setzte ich eine Fase auf die Lochunterseite, die dann genug Platz schaffte.

 

 

 Es folgt die "Hochzeit" zwischen Laufwerk und Tonarm Sony PUA-1600 S.

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Hier mit Zusatzgewicht.

 

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Nun sitzt die Glasmatte perfekt auf dem plangedrehten Teller. Sie bedämpft durch ihre hohe Resonanz den niederresonanten Aluminiumteller, beide bedämpfen sich also gegenseitig. Glas bevorzuge ich wegen seiner Härte, verhindert ein Einfedern der Platte bei der Abtastung, so sie denn auch passend plan ist. Das sind leider nur sehr wenige Platten ab Presswerk, so das noch eine Plattenbügelmaschine fällig wird, davon aber ein andernmal. Auch nicht optimal aufliegende Platten gewinnen deutlich an Dynamik, Ortbarkeit und Präzsion im Oberton.

 

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Die einstellbare Tonarmhöhe bietet dank der "tiefergelegten" Basis genügend Spielraum gerade auch für sehr flach bauende Tonabnehmer, wie die der VMS-Serie von Ortofon.

 

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Das Ortofon VMS 30 MkII an einer Original-Technics-Headshell. Es blüht an diesem Plattenspieler richtig auf und kann hier zeigen, das es ein MI-Tonabnehmer der Spitzenklasse ist.

 

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ier noch einmal ein Blick auf die Lackierung, gereinigten Tasten und polierter Tastenleiste.

 

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Das neue "alte" MC 30 Super spielt hier am PUA-1600 S schon fast so gut wie das Lyra Delos am Koshin GST-801, es sind nur noch feinste Detailnuancen Unterschied. 

 

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Mit dem Lyra Delos wird der neu gemachte SL-1410 MKII schon zum Überflieger. Selbst recht kostspielige High-End-Dreher werden sich hier mächtig ins Zeug legen müssen, wollen sie noch was drauf legen...

...damit habe ich mir nun meinen persönlichen Traum eines schönen, klassischen Direktantriebsspielers der Technics-MkII-Reihe erfüllt. Im Gegensatz zum SP-10 oder SP-15 ist diese Ausführung recht kompakt geblieben, die bewegte, effektive Tellermasse nur geringfügig unterhalb, während die Antriebe das gleiche Konzept haben.