Mit einem gebrauchten Thorens verhält es sich ähnlich wie mit einem alten Gebrauchtwagen. Man kann Glück haben und ein "Schnäppchen" machen, meist aber eher in eine Kostenfalle tappen...

Ich kann nur eindringlich von einem Blindkauf eines Thorens aus dem Internet abraten. Der Frust folgt mit Gewissheit. Verzichten Sie auf einen Kauf, hat der Thorens schon deutliche Gebrauchsspuren bzw. Schäden. Diese sind in der Regel nicht mehr zu beheben und wenn, dann nur mit erheblichen Kostenaufwand abzumildern.

Thorens produziert die Klassiker seit 1984 (TD126/127) bzw. 1992 (TD320) nicht mehr. Das sind nun schon über 30 Jahre. Ein Plattenspieler wird benutzt und verschleißt daher und er nimmt auch Schaden bei längerer Standzeit/Lagerung. So werden auch die Thorensplattenspieler über die Jahre nicht mehr besser. Bei einem durchgehend stets gepflegten und gewarteten Wohnzimmerexemplar wird man sich jedoch kaum Sorgen machen müssen. Sie werden weiter gut laufen und Freude am Musikhören bereiten. Ich erwarb meinen TD126 MkIII 1982 neu und er macht mir bis heute Freude, ohne Mängel und Schäden. Bei Umzügen wurde achtsam umgegangen und er mußte weder auf einem Dachboden oder in einem Keller sein Dasein fristen.

Doch gerade hier geht es los. Ich bekomme immer öfters TD 126 zum Service, welche sich eigentlich nicht mehr lohnen, noch angefasst zu werden. Warum das denn?

Diese leidigen Exemplare sind einfach schon zu "runtergeritten". Sie bekamen nie Pflege und nie eine turnusmäßige Wartung (alle 10 Jahren Lagerservice, Riemen und Durchsicht). So verdampft mit der Zeit das Lageröl, bis die Lager fast trocken laufen. Bei Umzügen wurden sie hart angestoßen oder gar mal fallen gelassen. Dann wurden die TDs nicht mehr gebraucht und lagerten auf einem Dachboden bei Kälte und Hitze oder in einem feucht-muffligen Kellerverschlag. Da nagt dann der Zahn der Zeit. Es kommen Stillstandsschäden auf. Die Lagerachsen beginnen zu rosten. Rostfraß ist irreparabel. Im Moment, als ich diese Zeilen schreibe, gibt es bei Dualfred.de nur noch zwei 7mm Lagerachsen, die letzten wirklich neuen (NOS). Falls ich sie nicht bald erworben habe, dann jemand anders und dann ist Ebbe. Dann gibt es keine neuen Achsen mehr zum Ersatz. Kommt dann noch jemand mit so einem runtergerittenen Exemplar zu mir, kann ich nur noch hilflos mit den Achseln zucken, eine Reparatur ist nicht mehr möglich. Eine Nachfertigung in dieser Qualität fraglich.

Lager
Lager die nicht benutzt werden und ohne schützenden Ölvorrat unbewegt gelagert werden, beginnen früher oder später zu verrosten. Der Rostfraß beschädigt die präzis geschliffene und nitrierte Oberfläche der Lagerachse. Man kann sie zwar mit Rostentferner behandeln und nachpolieren, selbst wenn man die Fraßspuren halbwegs entfernen konnte, hat die Achse dann Untermaß und dadurch zu großes Lagerspiel. Die Lagerpräzision von einst läßt sich damit nicht mehr erreichen. Die von Thorens angegebenen 78dB Rumpelgräuschspannungsabstand rühren von daher, das diese die Meßgrenze war, das Thorenslager rumpelte noch weniger, unhörbar. Durch mehr Lagerspiel wird das Klangbild weniger präzis und "steht" nicht mehr so wie es mal war.

Dessen nicht genug, gab es dann ein paar ganz Schlaue, die den Thorensfreunden einredeten, mit einem Lagerspiegel aus Hartmetall würde der Thorens noch besser klingen und bekäme (ohne Riemen!) einen Rekordauslauf. Stahl auf Stahl frißt sich ohne weitere Maßnahmen gerne ein, auch bei bester Schmierung. Die Folge ist, das die verrundete Kuppe am unteren Ende der Lagerachse dann durch Einschliffriefen irreparabel beschädigt ist. Auch die damit freigesetzten Metallspäne schaden der Lagerachse, da sie zwischen Achse und Lager reiben. Statt einer versprochenen "Verbesserung" haben die Leute im Ergebnis eine drastische Verschlechterung und können das Lager eigentlich nur noch in den Schrottbansen entsorgen. Es ist nicht mehr zu reparieren, vor allem, wenn die Riefen schon zu tief in der Achse eingekratzt sind. Vom so tollen Auslauf ist ohnehin nichts zu hören. Das ist nur Wunschdenken.
Übrigens ist die kleine Mulde unten im originalen Lagerspiegel aus Nylon gewollt, denn in dieser Lagerpfanne kann sich genug Öl zwischen Kuppe und Pfanne sammeln und so einen Öldruck bilden, der die Kuppe auf einem minimalen Ölfilm schwimmen läßt. Dadurch hält das Lager extrem lang, da kaum ein Verschleiß eintritt. Bei einem Lagerspiegel aus Metall kann die Kuppe keine Mulde einreiben, stattdessen schleift sie sich gegen den Metallspiegel spanend herunter, da kein Ölfilm zwischen Kuppe und Spiegel aufgebaut werden kann. Am Berührungspunkt laufen sie blank Metall auf Metall.

TD 126 MkIII _1

So sieht eine Lagerkuppe einer 10mm-Achse aus, die auf einem Hartmetallspiegel gelaufen ist. Die Laufzeit war weniger als 100 Stunden.

 

TD 126 MkIII _2

... der dazugehörige Lagerspiegel, Ursache des hier gezeigten Schadens.

 

TD 126 MkIII _7

Hier ein Lagerspiegel, welcher in ein 7mm-Messinglager gelegt wurde. Dieser wurde als der "Heilsbringer" gepriesen, toller Auslauf, besserer Klang.
Was offenbar ausser Acht gelassen wurde, das die Messinghülse dieses Lagers ca. 5mm vor Ende unten aufhört und darunter 12mm Durchmesser sind. Die Folge ist, das die Scheibe unten auf dem Grund, wo immer noch die Nylonscheibe sitzt, hin und her rutschte, wie man an den Laufspuren unschwer erkennen kann.

 

TD 126 MkIII _6

Die Einlaufspuren sind nur durch Metallabtrag möglich, dieses fand ich zu tausenden kleinen Partikeln im ganzen Lager verteilt und es dauerte eine Weile, wenigstens den Großteil davon aus dem Lager zu entfernen. Es sind die winzigen schwarzen Pünktchen auf einem gerollten Küchenpapier.

 

TD 126 MkIII _5

Die Kuppe der Lagerachse hatte auch einen entsprechenden Einschliff. Ich konnte diese Achse noch durch rotationssymmetrische Nachpolitur halbwegs retten, aber der kleine Punkt in der Mitte ist nicht mehr entfernbar, da ist der Einschliff schon zu tief. Dennoch läuft die Achse im originalen Nylonspiegel wieder zufriedenstellend. Bei weiteren Betrieb auf dem Metallspiegel wäre sie nur noch Schrott gewesen.

 

TD 126 MkIII _3

Hier ein Beispiel einer verrosteten Lagerachse links. Rechts eine neue Achse.

 

TD 126 MkIII _4

Hier von der Seite, oben die neue Achse, unten die verrostete Achse. Der Rost hat sich in die Oberfläche gefressen und damit ist die Achse Schrott. Natürlich kann man den Rost vollständig abschleifen, er ist nur "oberflächlich". Aber das Abschleifen bedeutet auch Materialabtrag. Dann hat die Achse Untermaß und taumelt stärker im Lager. Unpräziser Lauf seine Folge. Läßt man sie mit Rost, dann sind erhöhte Lagergeräusche die Folge. So oder so, der Thorens verliert seine ursprüngliche Originalqualität. Die bekommt er nur mit der obigen neuen Originalachse zurück.

Motoren
Das Pulley des TD 126 MkIII ist aus Kunststoff, welches zur Verbesserung des Trägheitsmoments einen Messingring enthält. Leider versprödet der Kunststoff mit den Jahren und verzieht sich dadurch. Der Messingring taumelt (Höhenschlag) und bekommt nicht selten auch einen Exenter (Seitenschlag). Das erhöht die Lagerbelastung des Motors erheblich und sorgt mit der Zeit für ein unüberhörbares Klackern. Beginnt der Motor zu "kreischen" sind die Lager trocken gelaufen, besonders das untere, welches nicht von aussen zugänglich ist. Vernachlässigt man einen Motorservice, wird der Motor bald unbrauchbar bis so defekt, das er nicht mehr anlaufen will. Neue Motoren zum Ersatz gibt es nicht mehr. Eine Aufarbeitung hilft nur bedingt, wenn der Motor noch genug Reserven zu seiner Rettung bietet. Die im Netz angebotenen Motoren sind auch nur mehr oder weniger verschlissene Gebrauchtexemplare, wo man ein schlechtes gegen ein anderes schlechtes austauscht.

Zargen
Auch sind schwere Eigenbau-Zargen einiger Besitzer oder gewerblicher Zubehöranbieter mit "Sonnenscheinboden" (Einfräsungen) nur etwas fürs Auge. Denn die Thorensingenieure erfanden das Schwingchassis eben gerade deshalb, um Vibrationseinflüsse von aussen zu eleminieren. Daher nützen weder eine schwerere Zarge noch ein angeblich resonanzarmer "Sonnenscheinboden" nichts. Kritische Hörer mußten zugeben, keinen beschreibbaren Unterschied wahrnehmen zu können, weil es keinen Unterschied zu hören gab.

Also, wenn Sie einen Thorens erwerben möchten (denn in intakten Zustand sind es wirklich schöne Plattenspieler) verzichten Sie auf "Blindkauf"!

Verzichten Sie auf Blindkauf im Internet, falls möglich fahren Sie zum Anbieter hin, ggf. mit einer weiteren Person, die sich mit der Materie auskennt und nehmen Sie vor dem Kauf den Thorens in Augenschein. Prüfen Sie den Zustand und das Lager. Ich kann nur dringend davon abraten, einen Thorens mit deutlichen Gebrauchsspuren zu erwerben, der Frust folgt mit Bestimmtheit! Ein Thorens mit angestoßenen Ecken, Kratzern, Schrammen, Dellen, starker Verschmutzung und schlackernden Motor zeugt davon, das dieser eine Zeit lang sträflich behandelt wurde und eigentlich nur noch Schrott ist. Ebenso dilletantisch verbastelte Exemplare. Ein Wiederaufbau ist mangels wesentlicher Ersatzteile nicht mehr möglich. Deshalb ist auch ein vermeintlich günstigerer Preis eben kein "Schnäppchen" mehr. So ist es auch eine Illusion, einen angeblich "nicht so schlimmen" TD 126 zu erwerben und ihn sich dann in einer Werkstatt günstig richten zu lassen. Das geht nicht mehr.

Die wirklich guten Exemplare eines TD125 und TD126 sind bereits in Liebhaberhände verteilt und diese trennen sich nicht ohne Not von ihren TDs. Das was im Netz angeboten wird, sind also fast alle nur noch mehr oder weniger "Grotten". Daher meine Warnung, keinen überzogenen oder gar spekulativen Preisforderungen nachzugeben und nur mit sehr großer Skepsis und Vorsicht heranzugehen. Im Zweifelsfall lohnt es eher, nach einem besseren Exemplar weiter Ausschau zu halten. Die einzigen derzeit noch für einen TD 126 erhältlichen Neuteile sind die Lämpchen und der Antriebsriemen. Alles andere wird so bleiben müssen, wie es ist.

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PS. Diese, von mir ausgesprochene Warnung bezieht sich nur auf die alten Thorensplattenspieler aus der Produktion bis 2000 und hat mit den Geräten aus neuer Produktion nichts gemein.