Ortofon MC Cadenza Bronze_8

 

Normaler Weise fasse ich mich ja eher kurz und knapp. Dieses Mal mache ich eine Ausnahme. Denn die Erfahrungen mit dem Bronze sind doch vielfältig.

Die Bauform des Cadenza ist überraschend filigran und zierlich. Auf den meisten Bildern wirkt es eher groß, voluminös. Nein es ist graziös. Dagegen sind die alten Bauformen des MC 10 Super MkII oder MC 30 Super richtige "Koffer", obwohl es bei weitem noch deutlich größere MCs gibt.

Historie
Das ursprünglich Design wurde bereits 1998 mit dem "MC Jubilee" eingeführt und leitete einen Generationswechsel in der Ortofon-Modellpalette ein. 2000 folgte dann die "Kontrapunkt"-Reihe mit vier Modellen unterschiedlicher Preisklassen. Neu an diesem Design ist der sehr kompakt gebaute Generator, bestehend aus zwei kleinen, aber sehr starken Magneten vor wie hinter dem Spulenkreuz. Das Gehäuse ist vergleichsweise groß und trägt diese kleine Einheit. Zur Erleichterung der Montage hat es in der Höhe die gleiche Abmessung wie die früheren MC-Typen, etwa 9mm von der Nadelspitze bis zur Montagefläche an der Headshell. Die Kontrapunkt-Reihe hatte einen Mittelkorpus aus Kunststoffspritzguss, die 2009 eingeführte Cadenzareihe, welche die Kontrapunktreihe ablöste hatte wieder wie ursprünglich das Jubilee einen Mittelkorpus aus stranggepresseten Aluminium. Die runden Seitenteile sind aus Edelstahl. Die Gehäuseteile sind miteinander über drei Zapfen verpresst, man kann hier das Gehäuse nicht mehr öffnen wie bei den alten Modellen. Neben der Kontrapunkt-Reihe gab es auf dem Deutschen Markt eine begrenzte Zeit noch eine weitere Reihe in kleinerer Auflage, die "V-Reihe", bestehend aus "Vienna", "Venice" und "Valencia", welche silberne -bzw. goldfarbene Seitenteile hatten. Damit ist diese Jubilee-Bauform nach der traditionellen SPU-Familie die am längsten hergestellte Bauform bei Ortofon und zeugt für deren Erfolg.

Bauform
Das Cadenza Bronze ist recht populär und beliebt. Mir blieb es bisher vergönnt, ein Cadenza Black im Vergleich zu hören. Viele, die diesen Vergleich hatten, bevorzugten das Bronze, da es mehr Klangfarben wiedergeben soll. Nach vielen Überlegungen und Recherchen entschied ich mich zum Bronze, nicht zuletzt wegen seiner Replikant-Nadel. Das Jubilee hat mit dem Black gemeinsam eine Shibata-Nadel am Bor-Nadelträger. Das Bronze hat dagegen eine Replikant-Nadel auf einem konisch geformten und mit Glasfaser verstärkten Alu-Nadelträger. Dieser wurde erstmals mit dem MC 2000 eingeführt und auch das MC 30 Super wurde damit ausgestattet. Diese Bauform macht den Nadelträger sehr steif und leicht zugleich. Übertroffen wird er nur von dem Bornadelträger. Die Shibatanadel ist eine bemerkenswerte Nadelform aus den 70er Jahren und leitete die Entwicklung der scharfen Nadelschliffe ein. Einen vorläufigen Höhepunkt dieser Reihe von Entwicklungen, die Nadelform dem Schneidstichel anzunähern ist die von Ortofon entwickelte Replikantnadel, die dem Schneidstichel bisher am nächsten kommt. Sie ist in der Lage, auch sehr feine Details aus der Rille zu tasten und hat zugleich sehr niedrige Laufgeräusche. Allerdings will der SRA (Stylus Rake Angel) möglichst genau eingehalten sein, sonst rutschen die Flanken über jene feinen Rillenauslenkungen nur drüber und die Wiedergabe verliert an Brillianz. Hier kommt ein langer Tonarm dieser Forderung entgegen, auch bei unterschiedlichen Dicken der Platten (100g vs. 180g), auch bei leichten Plattenwellen. Durch die Geometrie eines langen Tonarms ist der Fehlwinkel auch vertikal etwas kleiner.
Soviel zur Theorie und Historie.

MC Ortofon Cadenza Bronze_2   MC Ortofon Cadenza Bronze_1
Die Replikantnadel am Cadenza Bronze. Laut Ortofon ist der große Radius an der Nadelspitze 100µm, der Seitenverrundungsradius an den Flanke 5µm. Die Flankenöffnung beträgt 90°, so das die Rillenflanke bis zur Plattenoberfläche abgetastet wird. Eigentlich sehr laufruhig, allerdings werden Oberflächenkratzer deutlicher abgetastet als bei der Gygernadel mit 70° Öffnung.

Verpackung
Das Bronze kommt im üblichen, kleinen Karton mit Styropor, ohne das ganze Chichi der Topsysteme. Es ist sicher auf einen Transportträger mit Nadelschutz montiert, es liegen Montageschrauben, eine Carbonfasernadelbürste und vier Headshellkabel aus 6N-Kupferlitze (hochreines, sauserstroffreies Kupfer) bei.

Dazu bestellte ich mir eine 18g-Headshell von Audio Technica aus der LH-Reihe. Das Bronze soll einen eher schweren Arm fordern, wie ich später auch feststellen sollte...

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Interessant, der Karton ist mit einem 3D-Siegel von Ortofon gesichert, wohl um Fälschungen vorzubeugen. Nach öffnen des Siegels gibt es nun kein Zurück mehr und es geht an die Montage. Leider sind meine Sony-Tonarme etwas größer in der Bajonettaufnahme. Die Zapfen der Audio Technica Headshells haben einen Durchmesser von 7,9mm. Die Sony mögen aber lieber 8,0mm. Die Folge ist, das der obere, alleinige Zapfen des Bajonetts die Headshell auf die Kontaktfläche zieht, die Andruckfedern der Kontakte aber zugleich die Headshell wegdrücken, so daß die Headshell dann leicht nach oben zeigt. Diesem Ungemach kann man begegnen, in dem man einen zweiten Zapfen hinzufügt, wie es manche Headshellhersteller tun. So z.B. Jelco. Ich muß mir eine Bohrschablone dafür anfertigen, denn es ist eine ziemliche Pusselei, den unteren Zapfen mit genau eine Millimeter Versatz zu bohren. Nach vielen Versuchen und viel Fummelei gelang es mir und so wird von der Bajonettaufnahme nun am oberen und unteren Zapfen zugleich gezogen und die Headshell liegt vollflächig und gerade an. Das ist vor allem für eine gute Baßwiedergabe nötig.

Audio Technica AT-LH18H
In den Online-Bildern wurde die Alu-Headshell in schwarz gezeigt, aber in Wirklichkeit sieht sie viel besser aus, das Eloxal, welches das "Klingeln" unterdrücken soll, ist in gefälligen Metallicgrau gehalten und macht sich optisch sehr gut, auch macht die AT-LH18H in der Verarbeitung einen sehr soliden und sauberen Eindruck. Sie hat sogar zwei Arretierungsschrauben. Eine für gerade Ausrichtung, muß man die Headshell wegen Azimutkorrektur verdrehen, kann man diese Schraube etwas rausdrehen und dann mit der zweiten Schraube die Zangenklemmung arretieren. Alles recht durchdacht gemacht. Das Bajonett ist hier wohl aus Gewichtsgründen nicht aus Alu, sondern aus Edelstahl gefertigt. Schon in der Hand deutet sie ihr Gewicht an.

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Montage
Dann stand der Montage des Bronze auf diese Headshell nichts mehr im Wege. Dies ging recht einfach und die AT-LH18H trug dem Bedarf Rechnung, Tonabnehmer mit eingebauten Montagewinden befestigen zu können, so hat die Headshell zwei Lochpaare. Ich wählte das vordere Paar, so das die Headshell leicht zurückgesetzt ist, da ich befürchtete, das sie schon zu massereich sein könnte. Um so weiter man damit nach vorne rauskommt, um so mehr steigt die effektive Tonarmmasse. Ich tauschte die originalen, sicher auch sehr guten Headshellkabel von AT gegen die beigelegten von Ortofon. Als Schrauben verwendete ich eigene aus Alu mit Inbus. Die von AT beigelegten Kunstoffunterlegscheiben kamen dazu. Die Schrauben habe ich sehr gefühlvoll angezogen, deutlich unter "anknallen". Die weichen Unterlegscheiben unterstützen das. Alles in allem ließ sich alles recht schnell und leicht montieren, ein letzter Blick, dass das Bronze wirklich parallel zur Headshell ausgerichtet ist, dann konnte ich mit dem Überhang fortfahren. Hier paßt die Lehre von Technics, da die Sony-Tonarme den gleichen Nadelabstand haben, nämlich 52(,5)mm. Die Vorjustage auf dem Tisch ist hier viel angenehmer, als an einem geraden Tonarm mit fester Headshell, hier müßte man viel direkt am Plattenspieler fummeln, bis alles paßt.

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Das rot codierte Anschlußkabel ist das 6N OFC von Ortofon, die grauen, die von Audio Technica mitgelieferten.

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Vom Querschnitt oben ist das Cadenza praktisch schon kreisförmig, liegt aber nur an den drei erhabenen Stellen an der Headshell auf.

 

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Die Anschlußpins sind im Gehäuse eingelassen.

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Die AT-LH18H gefällt durch saubere Verarbeitung, Resonanzarmut und Farbe (Eloxal). Ebenso ihre leichte Einstellbarkeit.

Justage
Nun geht es an den Tonarm. Es müssen am Sony PUA 1600L nur noch Höhe und Gewicht eingestellt werden. An der Höhe mußte ich gegenüber dem MC 30 Super an der Jelco-Headshell kaum was nachstellen, aber vom Gewicht. Das kleine Zusatzgewicht reichte nicht mehr, ich mußte das in voraussehender Weise von mir hergestellte schwere Zusatzgewicht hernehmen. Dann paßte die empfohleme Auflagekraft von 2,5g. Das Gesamtgewicht der Headshell betrug nun rechnerisch (habe es jetzt nicht nachgewogen) 29,5g, damit kommen wir schon in den Bereich eines SPU.

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Der Nadelträger ist ein konisch geformtes Aluröhrchen, welches aber etwas kräftiger als das des MC 30 Super ausgeführt ist.

 

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Visuelle Überprüfung des Nadelazimuts

 

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Visuelle Überprüfung des SRA. Bei der Replikantnadel muß die senkrechte Rückseite etwa knapp 2° nach links von der Senkrechten überkippen, das entspricht der Senkrechten des Schneidstichels. Durch die Nachahmung der Form des Schneidstichels steht dieser Diamant scheinbar nach vorn gekippt, während die meisten anderen Nadeltypen eher von der Seite senkrecht stehend erscheinen.

 

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Nahaufnahme der mit "Aucurum" (vergoldeter Kupferlackdraht) gewickelten Generatorspulen.

 

Testplattendurchläufe
Nach dem Überrpüfen mit Testplatten fiel allerdings die bisher einzige Ernüchterung auf. Von den angeblichen 80µ Tiefenabtastfähigkeit stellten sich nur 50µ ein. Schon bei 60µ setzte deutlich hörbarer Zerr auf dem rechten Kanal ein. Eine Erhöhung der Antiskatingkraft konnte den Zerr leicht abschwächen und zentrieren, aber nicht beseitigen. Eine erste Plattenseite klang dann auch wenig spektakulär, keine besonderen Details oder Klangspektren. Ok, erste Plattenseite, man sollte nicht zu erwartungsvoll sein...doch die zerrigen 60µ
ließen mir keine Ruhe und stellte abermals mit Waage und Testplatte auf erst 2,7g und schließlich 2,8g Auflagekraft ein. Damit bin ich bereits 1/10g über dem Empfehlungsfenster Ortofons. Aber das sollte das System verkraften, das SPU Royal wird mit 3g empfohlen. Bei der hohen Auflagekraft kombiniert mit hoher Kontaktfläche des Schliffs steigt auch die Reibung in den Rillenflanken. So braucht es hier auch eine deutlich höhere Kraft des Antiskatings, welches ich mit einem zusätzlichen Gewicht erreichen konnte. Die Tiefenresonanz liegt bei etwa 8Hz. Der Aufhängungsgummi vom Bronze ist recht "hart". Also ist die Headshell keinesfalls zu schwer, unter 15g-Headshellgewicht würde ich beim Sony daher nicht gehen. Im Gesamtsetup und Verhalten entspricht diese Kombination also schon einem SPU-Royal. Inwieweit auch klanglich kann ich mangels Vergleich nicht berurteilen. Aber, mit 2,8g sind die 60µ nun endlich sauber, bei 70µ (DHFI2) setzt allerdings weiterhin deutlicher, starker Zerr ein. Sogar auf der Ullstein/RCA-Testplatte hatte das Bronze zuerst bei 60µ auf 2,7g leichte Probleme, das hatte ich selbst beim etwas störrischen Lyra Delos noch nicht. Zu Relativieren bleibt, die 60µm auf der DHFI2 sind real 67µm, auf der RCA/Ullstein 68µ. Die 50µm auf der DHFI2 sind 55µm. Also kann man im Mittel davon ausgehen, das reale 60µm gerade noch sauber abgetastet werden.

 

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Direkt von der Seite sieht man, dass das Gehäuse des Cadenza nur an den drei Auflagepunkten Kontakt zur Headshell hat. Dies soll Gehäuseresonanzen entgegenwirken, da durch die kleine Kontaktfläche der relative Flachendruck deutlich ansteigt.

 

Messungen
Gemessen wurde mit der Testplatte DHFI2, insbesondere die Tiefenabtastung. Hier enttäuschte das Bronze etwas, da es erst am Ende des Fensters der empfohlenen Auflagekraft die 60µ (real 67µm) fast sauber abtastete. Ortofon gibt dagegen >80µ in seinem Datenblatt an. Wobei ich relativiereren muß, das Ortofon bei den meisten seiner Systeme 10-20µ besser angibt als nachgemessen. Aber selbst extreme Direktschnitte erreichen kaum 60µ, so ist man hier noch auf der sicheren Seite. 50µ werden absolut sauber wiedergegeben.

Noch extremer der Stichelschnellentest (Ullstein/RCA) mit hochausgesteuerten 10kHz-Signalen. Ich hörte bei einigen Systemen Verzerrungen, klar, kaum ein Tonabnehmer schafft dieses Signal verzerrungsfrei, nur mein MC 10 Super MkII besteht ihn. Aber das Bronze mochte diese Signale dermaßen überhaupt nicht, das es gleich aus der Rille zum nächsten Track übersprang, es flüchtete regelrecht und das sogar bei der hohen Gesamtmasse. Das habe ich noch nie erlebt. Eine weitere kleine Überraschung war dagegen der nachfolgende Modulationsverzerrungstest, den das Bronze mit Bravour makellos abtastete, da zerrten nämlich bisher alle anderen Systeme mehr oder weniger, aber deutlich hörbar. Während beim finalen Tiefenresonanztest die anderen Ortofon deutlich wackelten, zeigte sich das recht hart aufgehangene Bronze dagegen ziemlich unbeeindruckt, ein leichtes, gerade sichtbares Wackeln bei 7-8Hz...das wars schon.

Den Frequenzgang und Übersprechen über die Frequenz habe ich mit der Adjust+ - Testplatte von Feickert Analouge gemessen. Ähnlich dem MC 30 Super ein sehr linearer Frequengang bis 28kHz, dem oberen Ende des geschnittenen Rauschspektrums als Rosa Rauschen. Eine kleine Senke von bis zu -2dB zwischen 20-30kHz ist zu erkennen. Der Frequenzgang bestätigt somit die Höreindrücke und umgekehrt. Leider ist beim vorliegenden Exemplar der Generator zum Gehäuse um ca. 1° nach innen verdreht montiert. Die Nadel steht dagegen recht genau zum Generator, hier justiert Ortofon mittels einem Videomikroskop recht genau. Somit ist auf 0° das Übersprechen im linken Kanal nur bei 22dB, auf dem rechten dagegen bei 32dB. Den Tonabnehmer dann auf 1° nach innen gekippt, treffen sich die Übersprechsignale kanalgleich bei 29dB auf 1 kHz. Kein Spitzenwert, aber immer noch sehr gut. Allerdings ist der für gute räumliche Darstellung betreffende Bereich von 10-20kHz deutlich besser als bei vielen Systemen, der hält sich fast linear wacker bei ca. 22dB. So kommen rein subjektiv einkanalige Signale auch nur aus der linken oder rechten Box und nicht dazwischen. So justiert kann man mit dem Bronze sehr zufrieden sein, alles paßt. Weitere Testplattenläufe folgen später, wenn das Bronze weitgehend eingespielt ist. Dies hier diente der ersten Kontrolle, ob es soweit technisch in Ordnung ist.

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Erster Hörtest
Es geht nun an das Einspielen. Ortofon-MCs gehen in der Regel gleich recht gut los und werden aber in den ersten 30-50 Stunden nochmals besser. Das nehme ich mal als Orientierung zum Ausgangspunkt. Ich führe nun eine Strichliste für jede volle Plattenseite. Zum Einspielen mochte ich weder richtig "olle" Platten (habe davon kaum welche) aber auch nicht gleich die besten Platten nehmen. Also der Griff in die Mitte der Menge mit Durchschnittsaufnahmen aus den 70ern. Leicht muffliger, enger Klang, keine besonderen Ansprüche an Auslenkungen und Abtastfähigkeit. Nach der Auflagekraftkorrektur ging es daher mit der "Jan Akkermann" von 1977 weiter. Und ich staunte auf einmal nicht schlecht, das Bronze machte mit 2,8g und penibler Armhöhenkorrektur auf einmal die Tür auf....Eintritt in neue Klangerlebnisse genehmigt. Auf der Akkermann hörte ich feine Hintergrunddetails u.a. eine ganz leise, fein tönende Triangel, die bei allen anderen Systemen zuvor unterging, ich hatte sie nie wahrgenommen, jetzt aber. Auch Glissandos der Perkussion, die selbst auf dem schon sehr guten MC 30 Super noch etwas kratzig (Höhenverzerrung) rüberkamen, wurden hier metallischer und "klingen"....die Verzerrungen waren deutlich geringer. Leichte Beckenanschläge tackerten nicht mehr nur, es wurden virtuell die elliptischen Verrundungen der Schlagstöcke auf dem Metall der Becken hörbar, oder wie das Plektrum die Saiten von Akkermanns Gitarre losschnippen läßt....hallo? Wir sind erst bei der zweiten Platte....die ich natürlich ganz baff und ungläubig voll durchhhören mußte, denn nur einen Tag zuvor hörte ich sie mit dem MC 30 Super ab. Kurz und gut, das Bronze läßt schon jetzt durchblicken, was noch kommen wird. Nach gut 15 Spielstunden und einer weiteren Abstimmungskorrektur, die auf eine Rücknahme der Skatingkraft auf etwa 4g, der Auflagekraft auf 2,7g und eine Höhenkorrektur des Tonarms auf den SRA von etwa 92° kommt nun auch die Rauminformation hinzu, bisher war das Geschehen mehr in der Breite als in der Tiefe wahrnehmbar. Die Replikantnadel will aufgrund ihrer langen Kontaktflanken sehr genau eingestellt sein.

Beeindruckend auf jeden Fall, das selbst alte, als eher wenig begeisternde Aufnahmen mit dem Bronze zeigen, was wirklich in ihnen steckt. Mit dem Bronze wird sich wohl noch so mancher Schatz in der Plattensammlung entdecken lassen.

Es ist verblüffend, das selbst sehr scharfe Sibyllanten sauber wiedergegeben werden ohne verzischeln oder fauchen. Auch das Brutzeln der "Pfanne mit Speck und Ei" auf "Alans Psychadelic Breakfast" (Pink Floyd - Atom Heart Mother) ist richtig knackig, jede einzelne Fettblase platzt mit einem scharfen, spitzen Knack, so muß es sein. "Sprazzd" und "Brazzd" es nur, wird dieses Signal nicht richtig abgetastet. Das Lyra Delos konnte das auch, die beiden MC 10 SII und MC 30 Super schaffen das dagegen nicht so exakt.

Abstimmung
Hochton wird beim Bronze nur dort wiedergegeben, wo er auch auf der Platte geschnitten ist. Es fügt keine zusätzlichen Glanzlichter hinzu und läßt anderseits auch keine Hochtoninformationen weg. Das ist sehr angenehm und langzeithörtauglich. Eine sehr ähnliche Abstimmung hat auch das MC 30 Super, kann allerdings mit der Detailtreue in der Signalabtastung nicht ganz mithalten. Beiden gemeinsam ist, das der Hochtonbereich von 20-30kHz ganz leicht abgesenkt ist, also eine leichte Senke dort hat, wo andere Systeme einen deutlichen Buckel haben. So ist bei diesen beiden Ortofons der "Höhenregler" auf neutral und nicht wie oft sonst weiter "aufgedreht". Hier werden kein falschen Details durch eine Brillianzanhebung oder gar Hochtonanhebung vorgetäuscht. Denn selbst in den oberen Mitten hört man Details, die man von anderen Systemen bestenfalls im rudimentären Ansatz hören konnte. Hatte man vielleicht vorher in "HD" gehört, steigert man sich beim Bronze in "4K". Es wird alles viel deutlicher ausformuliert und dargestellt, aber ohne jegliche Übertreibung oder Plakatierung. Es erscheint ganz natürlich ohne Lupeneffekt. Dadurch bekommt die Wiedergabe eine ganz eigene Natürlichkeit. Es bleibt immer der akustische Fokus auf das Ganze bestehen, die Wiedergabe verliert sich auch nicht in eine gewisse Detailverliebtheit, keine Analytik. Die Baßwiedergabe ist weniger spektakulär, der Baß kommt aber sehr konturiert und trocken. Platten mit richtig Baß werden auch wiederum vom Bronze so wiedergegeben, das es manchmal schon zuviel des Guten sein kann, vor allem, wenn dann noch Raumresonanzen angesprochen werden. Bei einigen neueren Aufnahmen ist es ja in, ordentlich elektronischen Tiefbaß reinzudrehen. Im Mittenbereich kann das Bronze ebenfalls "brillieren" ohne aber brilliant zu tönen. Stimmen haben eine frappierende Natürlichkeit, besonders Mund, Zunge und teils sogar die Nasenhölen glaubt man zu hören, aber wie schon beschrieben, ohne Lupeneffekt. Letztlich steht der Gesangsinterpret einfach zwischen den Boxen und man hört ihm fasziniert zu. Aber jede Akzenturierung bis hin zu wirklich kritisch Sibyllanten meistert das Bronze nahezu perfekt. Es gibt allerdings wenige Platten, wo die Sybillanten doch ein wenig "fauchen". Das sind Verzerrungen. Hier stellte ich dann fest, das es noch zuviel Antiskating war, wenn es links mehr fauchte als rechts. Nachdem ich nochmals deutlich nachgelassen hatte, paßte es dann, das Fauchen wurde schwächer und gleichmäßig von beiden Seiten. U.a. ein Stück auf "Lovers Rock" von Sade. Aalt van den Hul kritisierte ja mal, das viele Leute ihre Nadeln mit zuviel Antiskating quälen würden und daher der Verschleiß auf dem rechten Kanal meist höher sei. Da hat er Recht. Dazu sein noch angemerkt, das die Skatingkraft im Hochton stärker wirkt als im Oberbaßbereich (300-400Hz), wo die meisten Testplatten ihren Trackingtest haben.
Selbst Digitalaufnahmen ohne besonders hohe Auflösung erscheinen sehr sauber. Die Rillengeräusche beschränken sich zumeist nur durch die technisch bedingten Knister, lediglich bei schlechten Pressungen nimmt man auch Laufgeräusche wahr, hier sind es oft Oberflächenprobleme bei der Galvanisierung. Knacker und Knister kommen deutlicher als beim Namiki- oder Gygerschliff, weil der Replikant die Rillenflanken bis nach ganz oben abtastet, wo die Kratzer sind. Verkratzte Platten sind also nicht so für diesen Schliff geeignet. Die besten Platten scheinen also gerade gut genug für den Replikant.
Zum Abschlußwiderstand kann ich noch nichts sagen, da ich das Bronze derzeit an einem Ortofon MCA-10 betreibe, welcher eine automatische Impedanzanpassung hat.

Finale
Alles in allem gefällt das Bronze durch seine unspektakuläre Wiedergabe. Es drängt sich in keinem Bereich dem Hörer auf, will nichts beweisen. Seine Stärken erfährt man erst durch aufmerksames Zuhören und dafür braucht es auch eine Anlageninfrastruktur, die das unterstützt. Es stellt somit Ansprüche an die Wiedergabekette, dem Raum und nicht zuletzt dem Zuhörer. Es will bewußt erworben wie gehört werden. Aber dann erfüllt es dem Zuhörer auch sehr viele Wünsche. In der Preisklasse bis 2000€ wird hier auch der Zuhörer und Musikgenießer angesprochen, dem eine sehr anspruchsvolle Wiedergabetechnik auch etwas Wert ist, der dafür auch Werte investieren mag. In dieser Preisklasse gibt es auch andere Tonabnehmer, die wirklich etwas leisten können. Das Bronze ist aber ganz sicher eines von diesen. Die Unterschiede sind dann schon eher Geschmackssache.

 

Technische Daten (ortofon.com)

Output voltage at 1000 Hz, 5cm/sec. - 0,4 mV
Channel balance at 1 kHz - < 1 dB
Channel separation at 1 kHz - > 24 dB
Channel separation at 15 kHz - > 20 dB
Frequency range at - 3dB - 20 - 55 kHz
Frequency response 20 Hz - 20 kHz - +/-1,5
Tracking ability at 315Hz at recommended tracking force *) - 80 µm
Compliance, dynamic, lateral - 12 µm/mN
Stylus type - Nude Ortofon Replicant on conical alu cantilever
Stylus tip radius - r/R 5/100 µm
Tracking force range - 2,2-2,7 g (22-27 mN)
Tracking force, recommended - 2,5 g (25 mN)
*) Typical value
Tracking angle - 23°
Internal impedance, DC resistance - 5 Ohm
Recommended load impedance - 50-200 Ohm
Cartridge body material - Stainless steel / Aluminium
Cartridge colour - Bronze/Black
Cartridge weight - 10,7 gram