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Nicht nur wenn man öfters gebrauchte Platten kauft, auch die eigenen sammeln selbst bei bester Pflege mit jedem Abspielen doch etwas Staub in der Rille. Mit der Zeit und anspruchsvoller wird man auch, entsteht der Wunsch nach einer Plattenwaschmaschine. Früher reichte mir der klassischen Discofilm aus, doch nicht alles bekommt man damit weg. Handhabungsprobleme wie mit verbliebenen Fetzen auf der Platte hatte ich keine, da ich nicht zu dünn aufgetragen hatte. Auch die Kosten mit ca. 1€/Platte sind nicht gerade günstig. Kaum weniger günstig kommt man auch mit einer brauchbaren fertig gekauften PWM weg, die gehen so ab 1500€ los. So entstand der Gedanke, was andere können, kann ich auch - Selbstbau (Do It Yourself PlattenWaschMaschine).

Auf Anregung eines Beispiels mit einem Dual 1210 besorgte ich mir in der Bucht für günstige 5,xx € einen Dual 1210 samt Haube, voll intakt (manche meinen knapp 60€ dafür nehmen zu wollen...). Als Vorgabe kam, die PWM darf nicht viel Geld kosten und sollte vorwiegend aus vorhandenen Resten entstehen, es dürfen keine kostspieligen Primärteile verwendet werden. Eine Pumpe hatte ich von einem früheren Anwendungszweck zu dem es aber nicht mehr kam, geschenkt bekommen, eine alte Regalplatte war noch da, die Kleinteile hatte ich dann größtenteils dazu gekauft. Natürlich wollte die Vorlage nicht blind nachbauen, sondern eigene Vorstellungen verwirklichen, allerdings hatte ich keinen konkreten Plan und konstruierte meistens während des Bauens. Also eher ein improvisiertes Tüftelkonzept, einen festen Bauplan zum nachbauen gibt es nicht. Zudem hängt der Funktionserfolg sehr viel von der Feinabstimmung ab. Daher lief die Maschine zunächst wild aufgebaut im Laborbetrieb, also alle Komponenten einzeln auf dem Werktisch nebeneinander, um zu sehen, ob das überhaupt so funktioniert. Es tat nach einigen kleinen Verbesserungen so gut, das ich mich zum Bau "ins Reine" entschied. Auch jetzt werden noch einige Details verbessert. dazu werde ich später noch berichten.

 

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Die Ausführung als Einbaugerät macht sich gut, da man gleich das ganze Gedöns drumherum abstellen kann. Mangels geeigneten Antrieb wird der Saugarm - ja ich vergaß noch zu erwähnen, das es sich hier um einen sog. "Punktsauger" handelt - mittels Strippe von einer kleine Kurbel langsam wie gleichmäßig von innen nach außen über die nasse Platte bewegt. Die Bürste sieht schon wieder etwas anders aus und wird noch weiter verändert. Die Benetzung mit Reinigungsflüssigkeit (Stichwort Dr.Wack CW:100) erfolgt via alter, vorhandender Aquariumkleinpumpe direkt an der Bürste mittels Druck auf den Taster (weißer Schalter unter der Holzplatte links). Ein weitere Schalter rechts bedient die Absaugpumpe. Das Glas im Halter aussen fängt die Reinigungsflüssigkeit wieder auf und muß von Zeit zu Zeit geleert werden. Den frischen Ansatz der Flüssigkeit holt die Aquarienpumpe direkt aus dem unten stehenden Wasserkanister. Die Pumpen sind ein wenig geräuschgedmämmt in der schwarzen Holzkiste unter dem "1210" untergebracht und man kann auch nachts absaugen, ohne das der Nachbar davon was mitbekommt.

Als Saugdüse dient eine Ventilkappe vom Fahrradzubehör, der Faden ist vom Fadenversand und soll der gleiche sein, wie auch in den Monkmaschienen, er ist nahezu fusselfrei.

 Zunächst einige Bilder vom Bau
 
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Der Versuchsaufbau funktionierte nach wenigen Detailabstimmungen bereits recht gut und ermutigte mich schon bald "ins Reine" zu bauen.
 
 
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In dieses Glas mit Polsterwatte geht die Abluft von der Saugpumpe, es ist ein "Schalldämpfer". In der Tat kann man die Maschine im Gegensatz zu vielen frühen, kommerziellen Modellen auch nachts in einem Mietshaus betreiben, ohne gleich den Nachbarn aus dem Bett schrecken zu lassen.
 
 
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Die Vakuumpumpe bekam ich geschenkt und stammt aus ausgemusterten Beständen der Medizintechnik. Die Saugleistung ist nicht sehr hoch, aber genügt. Zur Schalldämmung wurde die Pumpe mit einem Gehäuse umbaut und mit Noppenschaumstoff ausgekleidet.
 
 
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Auch die Flüssigkeitspumpe oben rechts ist schallgedämmt.
 
 
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Hier werden die Pumpen elektrisch verkabelt. Links kommt ein Taster unter die Platte, der die Bürsteneinheit mit Reinigungsflüssigkeit beschickt. Ein kurzer Stoß mit einigen Tropfen genügt bereits. Rechts kommt ein Schalter, mit dem man die Vakuumpumpe zum Absaugen ein- und ausschaltet.
 
 
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Der Wasserabscheider, hier sammelt sich die abgesaugte Reinigungsflüssigkeit und muß gelegentlich geleert werden. Vom Wasserabscheider geht es dann zum "Schalldämpfer".
 
 
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Die Saugdüse ist aus Aluminium und war ursprünglich eine Fahrradventilkappe im Stil einer Bullet. Eine kleine Nut sorgt für die Führung des Fadens und für den ermittelten, optimalen Luftspalt zwischen Düse und Platte. Ist der Spalt zu groß, verringert sich die Saugleistung durch Nebenluft, ist der Spalt zu klein, verringert sich die Saugleistung durch Querschnittsverengung. Bei optimalen Spalt ist die Saugleistung so groß, daß die Flüssigkeit praktisch rückstandsfrei von der Platte gesaugt werden kann.
 
 
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Der Faden ist ein Knopflochgarn und recht glatt. Er wird über eine Klemme gehalten und bei fast jeder Wäsche ein kleines Stück vorgelassen, damit keine zu alten verschmutzten Fadenabschnitte das Reinigungsergebnis beeinträchtigen können.
 
 
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Den Armvorschub erledige ich derzeit noch ganz banal mit einer selbst gebauten Handkurbel, dabei geht der Saugarm von innen nach aussen. Ein späterer Ersatz durch einen elektrischen Antrieb ist aber angedacht.
 
 
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Konstruktion und Zusammenbau der Reinigungsbürste. Auch hier kamen Aluprofile zum Einsatz. Die Bürste ist eine typische Carbonfaserbürste für Schallplatten.
 
 
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In dem Trägerarm für die Bürste ist auch eine Schlauchleitung aus Aquarienschlauch verlegt, die an einem offenen Winkelverbindern endet. Hier wird die Reinigungsflüssigkeit aufgetragen. Die Ansteuerung geht über den linken Taster unterhalb der Arbeitsplatte und einer einfachen Aquarienpumpe.
 
 
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Die Reinigungsflüssigkeit habe ich in einem 5l-Kanister angesetzt und ein Saugrohr in den Deckel geklebt. Das reicht für eine Weile.

 

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Dr. Wack eignet sich sehr gut zum Waschen. Ich setze es aber mit 450 (Wasser) : 1 (Reiniger) an, das reicht. Später werde ich mit einer Nachreinigung mit Aquadest experimentieren, dann kann der Reiniger auch mit 100:1 angesetzt werden.

Mittlerweile nehme ich Dr. Wack CW 1:100 Super, das geht noch ein wenig besser und verhält sich rückstandsfrei. Eine Nachspülung mir Aquadest erübrigt sich damit. Den Ansatz habe ich auf ca. 1:300 gemacht. Die Reinigungsleistung ist damit schon sehr gut.

 
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Die Carbonfaserbürste bei der Arbeit. Sie ist kardanisch aufgehangen und kann so jeder Bewegung der Platte folgen, in Höhe wie Winkel. Das Bürsten während der Einweichphase unterstützt die Reinigungswirkung deutlich, da sie durch die feinen Häärchen auch die Rillenflanken erreicht.
 
 
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Die Bürste habe ich "schiebend" angeordnet, das war einfach praktischer in der Ausführung, sie zieht leicht nach innen und wird dabei begrenzt, damit sie genau platziert bleibt. Es werden noch weitere Varianten für 10" (EP) und 7" (Single) gebaut.
 
 
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Die Bürste muß eine kleine Bugwelle vor sich her schieben, dann stimmt die Menge der Reinigungsflüssigkeit. Nach 5-10min kann abgesaugt oder der Vorgang wiederholt werden, sollte das Ergebnis nicht befriedigen.
 
 
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Der Arm bei der Absaugung, allerdings ist er hier aus der Spur, weil ich die Kurbel für das Foto loslassen mußte. Eben die Saktingkraft, die auch hier wirkt und dazu genutzt wird, den Saugarm positionsstabil zu halten. Die Düse wie der Schlauch werden über ein verändertes Luftpumpenventil aus einem Ventilsatz für Sportzubehör verbunden. Bekommt man im Baumarkt.
 
 
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Eine typische "Gebrauchtplatte" mit Staub und Fingerabdrücken.
 
 
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Vor der Wäsche....
 
 
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...und nach der Wäsche. Auch Fingerabdrücke gehen gut weg. Zur besseren Sichtbarmachung wurden diese beiden Aufnahmen überbelichtet.
 
 
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Das große Regalbrett hat den Vorteil, alles was man zum Plattenwaschen braucht, dort abstellen zu können. Eine Verpackungsschale nimmt die abtropfende Reinigungsflüssigkeit von der Bürste auf.
 
 
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Der Plattenwaschstand. Läßt sich angenehm im stehen bedienen und unten bilden zwei Plattenboxen die Eingangs- und Ausgangsfächer, sowie ein Vorratsfach für neue Innenhüllen, in die meistens die neu gewaschenen Platten eingetütet werden.
 
Das Projekt ist noch nicht ganz vollendet und wird noch im Detail verbessert. Auch werde ich später noch ein Video, welches den Betrieb zeigt, einstellen. Schon jetzt funktioniert die Plattenwaschmaschine ganz hervorragend. Für einen Materialpreis von weniger als 100€ macht sie viele ältere Platten wieder knisterfrei. Auch neue Platten profitieren davon, zudem wird auch die zumeist vorhandene statische Aufladung beseitigt. Kratzer gehen natürlich nicht weg, aber die meisten Knister einer sonst gepflegten Schallplatte haben ihre Ursache in festgesetzten Schmutz, der sich auch nicht mehr mit einer normalen Bürste trocken entfernen läßt. Auch vormals naß abgespielte Platten lassen sich soweit reinigen, das man sie wieder weitgehend knisterfrei trocken abspielen kann. 
 
 
Weitere Neuerungen werde ich hier wieder berichten.