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Ich habe zugegeben lange nichts mehr von ihr gehört. Mir ist sie hauptsächlich aus alten Eurythmics-Zeiten bekannt und nahm von ihrer darauf folgenden Solokarriere nur am Rande Notiz. Nun bin ich durch die aktuelle LP-Erscheinung wieder auf sie aufmerksam geworden.

Inzwischen ist Annie eine gereifte Frau geworden, doch auch mit ihren mittlerweile 60 Jahren kaum gealtert, pflegt sie immer noch ihren androgynen Stil und erscheint dennoch als Frau mehr denn je. Stimmlich bleibt sie jung wie immer.
Wer "Nostalgia" mit der Sehnsucht an alte Eurythmics-Erfolge assoziieren will, liegt aber falsch. Der Titel bezieht sich auf viel weiter zurückliegende Titel, nämlich auf alte Jazz-Klassiker aus den 30er-40er Jahren. Diese mag auch Annie Lennox und es erwuchs in ihr der Wunsch, diese einmal nachzuinterpretieren. Das ist ihr gelungen, auf ihre ganz eigene Art und Weise. Modern und doch zeitlos.

Bei Jazz-Klassikern steht die Sängerin im Spot, die Begleitmusik dezent im abgedunkelten Hintergrund. So wurde die Platte auch akustisch gestaltet. Annie setzt hier ihre stimmliche Dynamik gekonnt ein und bleibt von der Grundstimmung jedoch ruhig und eindringlich. Die Instrumentierung verzichtet auf Experimente und bleibt auf das Notwendige dosiert. Nur zwei Songs erhalten eine Popmusikorchestrierung, sonst bleibt es eher akustisch, Annie begleitet sich selbst am Flügel. Ihre Stimme bildet dabei stets den zentralen Pol, um den sich alles anordnet. Insgesamt erscheint es als ganz persönliches Wunschalbum, das Jazzhörer, Nachtclubsong- und natürlich Lennox-Fans gleichermaßen anspricht. Sie macht auf jeden Fall dabei eine glaubwürdige Figur, der man das abnehmen kann. Nichts gekünstelt oder gewollt, sondern natürlich und authentisch. Daher geht jedes Stück gleich ins Ohr, vom ersten bis zum letzten Stück. Eine Platte, die ich auch gerne wieder auflege...

Angenehm überraschend die Physis der LP. Die "Limited Edition" enthält als Klappcover ein schönes Booklet mit großformatigen Bildern von Lennox, da kann die Vinylausgabe gegenüber der CD schon mal punkten, aber auch klanglich liegt sie etwas oberhalb. Als ich dann die Innenhülle mit der LP herauszog dachte ich schon,

äh, wieder diese schwarzen Papierinnenhüllen...
...denkste, die ist antistatisch gefüttert!

äh, die Platte ist aber bestimmt wieder arg mit Papierstaub verfusselt...
...denkste, blitzsauber!

äh, die Platte ist aber bestimmt wieder verwellt wie die Nordsee bei Orkan....
...denkste, nahezu topfeben!

äh, die Platte knistert bestimmt wie Lagerfeuer....
...denkste, bis auf zwei Ticks geräuschfrei und das noch ungewaschen!

Da bin ich platt, bei der Platte...ich habe so langsam aber sicher den Eindruck, die derzeit besten Pressungen kommen aus England. Das konnte ich schon bei anderen englischen Pressungen attestieren, wenn auch nicht bei allen. Lediglich eine feine Welle regt etwas die Tiefenresonanz im Raum an, aber das ist vergleichsweise wenig zu vielen anderen aktuellen 180g-Ausgaben.

Die Londoner Produktion überzeugt also in vollem Umfang, schöne Musik, gut aufgenommen, wenn auch nicht audiophil und eine gute Pressung in einem schön aufgemachten Cover. Für mich hat sich das gelohnt.

 

PS. Mit dem Lyra Delos wird ihre Stimme derart lebendig und live, das es einfach nur noch ein Genuß ist, ihrem Gesang zuzuhören.


www.annielennox.com