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Produzent Dirk Sommer war erst etwas skeptisch, ob Pit Baumgartner bei seiner Idee zu einer speziellen AAA-Produktion mitmachen würde, aber rannte buchstäblich offene Türen ein, denn Baumgartner unterstützte seine Idee spontan, wenn dies jemand machen will, soll er es umgehend machen, solange sowas noch geht. Baumgartner ist auch ein Ü50 und stammt noch aus einer Generation, die mit der Schallplatte groß geworden ist, auch wenn er sonst im Studio nur noch digital produziert. Doch schon die gute Produktion von "Naive" zeigte, das Baumgartner ein Ohr und Herz für die Analogies hatte und ließ das Album in guter LP-Qualität mit 45 UPM produzieren, so ist die "Berlin Session" nun das Sahnehäubchen für die Analogfreunde, das Album soll auch nur als Vinyl-LP erscheinen.

Künstlerisch ist Baumgartner einmal mehr ein Kabinettstückchen gelungen, denn er hat bewußt für diese Aufnahmen auf "Jazzclub" umarrangiert und die Band hauptsächlich akustisch instrumentiert aufgestellt. Neben ihm waren daher die Sängerin Pat Appleton eigentlich die einzigen beiden Kernmitglieder von DePhazz. Pit Baumgartner meinte in einem kürzlichen SWR-Interview, das er sich von den Bandtouren zurückziehe und die Zeit lieber im Studio für neue Produktionen verbringe, für die Berliner Aufnahmen hat er sich vielleicht doch noch mal für einen Liveauftritt hinreißen lassen, obwohl seine "Live-Elektronik" sich für den "Jazz-Flavour" angenehm im Hintergrund eingefügt hat und alles paßt.

Interpretatorisch hört man meist bekannte DePhazz-Stücke, die hier neu arrganggiert im eben genannten "Jazz-Flavour" eingespielt wurde, bei Naive gabs den "Acoustic-Flavour" bei "BIG" den "Bigband-Flavour" und bei der ursprünglichen Einspielung den "Drum&Bass-Flavour". So liegen nun teils vier unterschiedliche Interpretationen gleicher Stücke der Band vor, aber ich muß zugeben, jede von ihnen hat ihren eigenen Reiz. Pat Appleton beweist einmal mehr ihre Bandbreite und Vielseitigkeit, sie gibt auch eine gute wie glaubwürdige Jazzsängerin ab.

Das Klangbild Ist ein wenig "rund", also zurückhaltend im Höhenbereich, aber ok. Womöglich liegt es auch am Mastering des Lackfolienschnitts. Aufgenommen wurde mit Bandmaschinen vom Typ Studer A810, von einer Bearbeitungskopie dieses Bandes wurde dann wohl die Lackfolie geschnitten. Pat Appletons Stimme kommt sehr lebendig und dynamisch rüber, ebenso das Bass, der Live-Charakter wurde gut eingefangen. Die Pressung ist auch einwandfrei, die Musik kommt völlig aus der Stille. (Pressung von Optimal Records) Leider hat man nur einzele Stücke compiliert, noch livehaftiger wäre es gewesen, wenn man ein durchgehendes Set pro Plattenseite genommen hätte. Alles in allem also ein Highlight für den Analogfan, aufgrund der weitgehend akustischen Jazzproduktion könnte die Musik auch für Nicht-DePazz-Fans durchaus zugänglich sein.

Homepage: www.de-phazz.com