EasyCookieInfo

 

Die rennomierte Pianistien Martha Argerich und der Dirigent Claudio Abbado kennen sich schon seit ihre Jungmusikerzeit in den 60ern. Immer wieder arbeiteten sie auch zusammen, trieben sich gegenseitig zu Hochleistungen an, stritten sich hin und wieder um dann ein großartiges gemeinsames Werk abzuliefern. Beides sind Ausnahmekünstler auf ihren Gebiet. Schon mit 25 Jahren wurde Argerich als große Nachwuchspianistin gefeiert und ausgezeichnet und auch Claudio Abbado wurde mit den Jahren ein Dirigent von Weltruf.

Im reifen Alter von 80 Jahren erkrankte Abbado dann an Krebs und offensichtlich wollte er noch einige Projekte zum Ende bringen und sich von seinem Publikum verabschieden. Dennoch war er noch fit genug, dies zu tun. Beim Luzerner Musikfestival an seinem Wohnsitz war er stets eine feste Größe und dieses Mal sollte es etwas besonderes sein. Obwohl er nicht unbedingt als Mozart-Spezialist gilt, arrangierte er zusammen mit Martha Argerich, die ihm hier die letzte große Ehre erweisen sollte, die Klavierkonzerte aus dem Mozart Köchelverzeichnis 503 und 466. Die Aufnahme stammt aus dem Jahre 2013, knapp ein Jahr vor Abbados Tod und wurde posthum veröffentlicht, erst im Jahre 2014 auch auf LP.

Beide spielen Mozart recht eigen. Abbados Orchester (Orchestra Mozart) wie Argerichs Klavier klingen recht warm. Die Interpretation Mozarts ist ungewöhnlich bedächtig, sie regt sogar zur Nachdenklichkeit an. Aber beide Musiker machen das so gekonnt, das ich diese Interpretation als sehr gelungen resümieren kann. Jeder Saitenstrich, jeder Klavieranschlag sitzen und haben gutes Timing mit viel Einfühlungsvermögen. So wird das Spiel zwischen Abbados Orchester und Argerichs Klavier schon zu einem Ensemblespiel, jeder auf den anderen achtend, jeder für den anderen. Die Interpretation ist sehr anrührend gelungen. Das hat Weltklasse. So wurden wir mit dieser Aufnahme Zeuge eines historischen Moments. Es ist allerdings nur Abbados vorletzter Auftritt, gut ein Vierteljahr später wurde sein letzter Auftritt ebenfalls in Luzern aufgezeichnet, der noch auf seine Veröffentlichung wartet. Dieses Klavierkonzert löste auch international Begeisterung aus und wurde Anfang 2014 kurz nach seinem Tode mit dem ECHO Klassik ausgezeichnet.

Nach nun über 30 Jahren kaufte ich mir erstmals wieder eine neue Klassikplatte. Während heute CDs teils schon in 100er-Boxsets regelrecht verramscht werden, bieten erst seit kurzer Zeit die Klassik-Labels wieder Klassik auf Vinyl an, auch hier scheint man mittlerweile mitbekommen zu haben, das die gute alte Schallplatte wieder gefragt ist. So auch bei der Deutschen Grammophon, die in der goldenen Schallplattenära stets für gute Produktionen wie Pressungen bekannt war. Das gilt erfreulicher Weise bei dem vorliegenden Exemplar, welches trotz 180g-Pressung völlig plan auf dem Teller liegt und praktisch frei von jeglichen Störgeräuschen ist. Die Aufnahme ist in HD-Digital gemacht und kann sich klanglich locker mit alten Analogeinspielungen messen. Die Tonmeister beherrschen mittlerweile auch in der Digitaltechnik ihr Handwerk, was Anfang 80er, als die Digitaltechnik gerade Einzug hielt, nicht immer gegeben war. Das ist dann auch eine Honorierung in Form eines Schallplattenkaufs wert.

Klang 9 von 10

Interpretation 9 von 10