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Aufbauprojekt: Zwei Revox A77

Die Revox A77 gehört wohl zu den weltweit legendärsten wie am weitesten verbreiteten Tonbandgeräten. Wobei als "Großspuler" sie schon eine Tonbandmaschine ist. Über 400000 Stück verließen von 1967 bis 1977 die Studer-Werke in Regensdorf (Stammhaus Schweiz) und Löffingen (Produktionswerk Süddeutschland). Von den moderneren Geräten könnte man schon von einem "Volkstonbandgerät" sprechen. Obwohl schon damals alles andere als ein "Billiggerät" zeichnete sich die erste volltransistorierte Revoxmaschine durch viele Eigenschaften aus, die aus dem Profisegment kommen. So der dreimotorige Direktantrieb (je einer für Wickel und Tonwelle), die Relaissteuerung, die auch eine Fernsteuerung erlaubte und eine sehr gute Tonqualität. Zudem besaß die A77 auch eine gute Alltagsrobustheit. Sie gab es in vielen verschiedenen Varianten, so als Halb- oder Viertelspur und Geschwindigkeiten von 2,75cm/s bis hinauf zur Studiogeschwindigkeit 38cm/s. Die verbreitetste ist aber die Heimanwendergeschwindigkeitspaarung 9,5cm/s und 19cm/s. Letztere in Halbspurlage braucht schon bessere Plattenspieler oder eben die CD um ihr Wiedergabevermögen abzudecken. Ende 60er Anfang 70er Jahre gab es nur sehr wenige Plattenspieler die das konnten, Radio war klanglich unterlegen. So waren bestenfalls Eigenaufnahmen mit guten Mikrofonen die Möglichkeit zu hochwertigen Tonaufnahmen. Aus diesen Grünen erfreute sich die A77 auch bei Semi- und Professionellen Anwendern, in den USA war die A77 in sehr vielen der kleinen, privaten Radiostationen eine Standardausstattung.

Von der A77 gab es vier Evolutionsschritte. Die Mki oder Mk"nix" erschien 1967 und machte mit ihren Eigenschaften schon bald Furore. Die Wickelteller waren aus grauen Kunststoff, die Bandführungen alle starr und unbeweglich. Die Bedinfront in Alusilber gehalten. Die MkII erhielt ab 1969 erste Verbesserungen, die auch dem Anspruch auf Studiotauglichkeit geschuldet waren. Wickelteller aus Alumiumguß, fein überdreht, bewegliche Bandschlaufenfänger lnks und ebenfalls links ein Kugellager als Rolle statt festen Bolzen.
Die MkIII erschein 1973, im Wesentlichen wurde die Bedienfront der grauen Plastikblende im Spulenbereich farblich in grau angepasst, die VU-Meter Alufarben hinterlegt und deren Skalen leicht vergrößert. Ebenso ständig beleuchtet und die Aufnahme durch zwei zusätzliche rot unterlegte Lämpchen signalisiiert. Die Klappenblende vor dem Bandlauf wurde nun aus Aluprofil und nicht mehr aus Kunststoff hergestellt. "Wertiger Eindruck". Die letzte Version MkIV erhielt neue Frondrehknöpfe die bedienfreundlicher als die Plastikringsteller erscheinen, Aluminiumtasten und in Nextelgrau lackierte Wickelteller. Die Motorsteuerung wurde verfeinert und bekam erstmals integrierte Schaltkreise. Die A77 ist heute noch der so ziemlich kleinste Großspuler (nennt man Maschinen, die wenigstens 26,5cm-Spulen spielen können), die Bauweise sehr kompakt und mit 15kg Gewicht noch angenehm transportabel, wodurch viele Ton-Profis die Maschine gerne für Mobile Einsätze vor Ort verwendeten (Netzstromanschluß muß aber verfügbar sein).

Für den Östereichischen Rundfunk (ORF) fertigte Revox sogar eine Sonderserie an, diese A77 hatte neben Studiogeschwindigkeiten 19/38cm/s auch Eingangs- und Ausgangsübertrager für direkten Anschluß an Studiogeräte mit Normpegel und verbesserte Wickeleigenschaften für Offenwickelbetrieb. Heute noch tauchen gelegentlich Exemplare auf dem Markt auf.

Eine komplette technische Beschreibung und die vielen Möglichkeiten der Maschine erörtern zu wollen, würde aber hier den Rahmen sprengen. Dazu verweise ich lieber auf die vielen Quellen im Netz, einige davon im Anhang.

Dennoch dezimiert sich die Anzahl der noch existierenden Maschinen. In der Zeit, als analog nicht mehr angesagt war, sondern durch Digitaltechnik ersetz wurde, verloren viele Anwender Bedarf und Interesse an Bandmaschinen und aufgrund der Vielzahl von A77 fielen die Preise auf dem Gebrauchtmarkt. Defekte Maschinen wurden in der Reparatur oft nicht mehr als lohnenswert betrachtet und als "defekt" veräußert. Das führte wieder zu Geräteschlachtungen, die damit eine solide Basis für den Ersatzteilemarkt bilden, auch wenn viele Teile noch im derzeitigen Revox-Werk in Villingen-Schwenningen vorrätig sind. Wieviele A77 bereits geschlachtet wurden, läßt sich kaum abschätzen. Aber ein Drittel kann es "gefühlt" schon sein. Der Liebhaber wird aber mit Reparatur, Wartung und Pflege seine A77 bestens erhalten, so das es auch in vielen Jahren noch sehr gute Exemplare geben wird.

Im vorliegenen Fall geht es um zwei Reparaturbedürftige A77, die komplett neu aufgebaut werden und zudem auch einige Veränderung bzw. Verbesserungen erfahren werden. Davon soll dieser Blog hier berichten, Fortsetzungen über den Baufortschritt kommen also nach und nach, hier kann ich keinen bereits fertigen Bericht abliefern.

Zum einen hat die werksmäßig voll intakte und gut gewartete A77 ihren Charme und ist eigentlich so schon völlig ausreichend. Wichtig ist eher eine nahezu perfekt eingemessene Bandsorte, damit sie ihre Leistung auch ausspielen kann. Empfehlenswerte Bänder sind das (BASF) LPR 35 oder wenn auch weniger gut wickelnd das Maxell XL-1, welches besonders wegen seiner hohen Beständigkeit und guten Parametern von vielen Tonbandfreunden geschätzt wird. Die meisten LPR 35 haben sich aber auch als sehr beständig erwiesen und gelten als Standardband unter den Amateuranwendern. Mit diesem Band kann man schon klanglich beeindruckende Aufnahmen machen.

Überlegungen zum Umbau

Natürlich mußten die Leute bei Studer Kalkulationen machen, wenn eine Maschine für den Amateurbereich geeignet aber auch leistbar sein sollte, auch wenn man Willi Studers Prämisse folgt, höchste Qualität als möglich anzubieten. Aber bei einer Amateurmaschine sollte diese eben auch für einen anspruchsvollen Amateur, obwohl dieser bereitwillig ist, einen höheren Preis zu zahlen, dennoch leistbar sein. Da kann man nicht alles von den Studiomaschinen übernehmen, sondern muß vereinfachen um die Produtkionskosten zu senken.

So verzichtete man auf Rollenführung und Bandzugregelung. Da waren die großen Studer-Maschinen aus gleichem Hause natürlich im Vorteil, aber wer konnte sich damals ein Tonbandgerät zum Preis eines Kleinwagens leisten? Diesbezüglich waren die Kompromisse also vertretbar, die Bandführung nicht mehr hervorragend, aber immer noch gut genug.

Hier möchte ich ansetzen und die Bandführung verbessern. Eine gute Bandführung führt zum besseren Beschreiben und Lesen das Bandes und kann von der nachfolgenden Audioelektronik nicht mehr verbessert werden. Es werden also Möglichkeiten zur Verbesserung der Bandführung vor allem am Kopfträger untersucht werden.

Die Bandführung hat auch Einfluß auf die Wickelqualität des Bandes. Desweiteren soll die Wickelgeschwindigkeit am besten stufenlos verstellbar sein, damit auch Bänder, ohne oder ungünstigerer Rückseitenbeschichtung noch halbwegs sauber spulbar sind. Eine stufenlose verstelltung des Bandzuges könnte zudem den Kontakt am Kopf verbessern, denn dünne Bänder neigen leichter zum Langsfaltenzug bei zu hoher mechanischer Spannung. Das ist nicht direkt sichtbar, aber später am Kopfabschliff mit unterschiedlicher Tiefe. Während Studioband aufgrund seiner höheren Dicke von 50µm etwas mehr Bandzug bedarf, um sauber wickeln zu können.

Die Studiogeschwindkeiten sind für meine Bedarf sinnvoller, so werden die Maschinen auf "Highspeed" 19,5  und 38cm/s umgerüstet. Neben einer entsprechenden Tonwelle sind auch Anpassungen in der Verstärkerelektronik notwendig. Ferner wird eine Umschaltbarkeit der Entzerrung untersucht, vor allem auch aufnahmeseitig zwischen den Standards NAB und IEC. Letztere ist vor allem in Europa bei 38cm/s Standard.

Der Frequenzgang der A77 ist für "audiophile" Ansprüche eher bescheiden. Er kommt zwar von etwa 30Hz bis 20kHz bei 19cm/s Halbspur, aber ein genauer Blick in die Schaltungen zeigt, das da noch mehr geht. Der Wiedergabekopf mit einer Spaltbreite von 2µm erlaubt theoretisch einen Frequenzgang bis etwas über 30kHz bei 19cm/s. Kritiker meinen, hohe Grenzfrequenzen könnten mit der Löschfrequenz interagieren und Differenztöne erzeugen. Daher scheint Revox von Haus aus sich auf 20kHz beschränkt zu haben. Auch das wird alles praktisch untersucht und geprüft werden. Einhergehend werden die Schaltungen fast komplett mit neuen, teils moderneren Bauteilen neu aufgebaut werden.

Zu Guter letzt soll auch das Design leicht weiterentwickelt werden, wobei die A77 stets als solche sofort erkennbar bleiben wird.

Ausgangslage

Die erste Maschine ist eine MkIV Viertelspur, ich nenne sie fortan der Einfachheit halber "Nr. 1".  Der Zustand war nicht mehr der Beste, vor allem innen stark verunreinigt über die Jahre. Sie soll unter oben genannten Aspekten zu einer Highspeed mit einigen Verbesserungen neu aufgebaut werden. Zunächst eine Eingangsbetrachtung.

Bekannt ist, das die Bandführung bei der A77 dem Band etwas viel Spiel läßt. Das läßt die hohen Frequenzen etwas unruhig werden, wobei das alles relativ ist. Denn das liest sich jetzt schlimmer als es ist. Insgesamt ist auch im Bandlauf die A77 durchdacht und gut gemacht. Anderseits wollte man die Berührungen der Bandkanten weitmöglichst vermeiden, so das nur ein Bandführungselement, welches die Spur hält, direkt vor der Andruckrolle platziert wurde, da hier die Querkräfte, die das Band in der Höhe verschieben können, am größten sind. Einen guten Beitrag zur Reduzierung der Längsschwingungen wäre der Ersatz des linken Kugellagers und des rechten feststehenden Bolzens gegen zwei kugelgelagerten Rollen, welche sich auch auf die Bandführung begünstigend auswirken sollten. Ob hier Verbesserungspotiential im Rahmen des Möglichen liegt, soll später untersucht werden. Dazu wird es ein eigenes Kapitel zum Kopfträger geben. Desweiteren mag ich Alusilber als Farbe, das "Mausgrau" von Revox sagt mir weniger zu. So werden beide Maschinen auch optisch verändert.

Für eine Revision mit Umbauten und Verbesserungen ist es daher unerläßlich, die Maschine komplett zu zerlegen, den Zustand der einzelnen Komponenten zu sichten und bewerten und dann einen Aufbauplan zu erstellen, wo was gemacht werden muß.

 

Revox A-77 Mk IV_1

Die A77 Nr. 1, eine Mk IV in Viertelspurausführung. Die VU sind nicht mehr Orignal, es sind die schwarzen Ausführungen der Mk I - II.

 

 Revox A77_2

Revox A77_4

Bevor die eigentliche Zerlegung begann, erfolgten bereits ein paar "Anproben" in Richtung Silber.

 

Revox A77_24

Beginn der Zerlegung...

 

 Revox A77_110

 

Revox A77_26

 

Revox A77_29

Reinigung mit Kraftreiniger

 

Revox A77_27

Vorher....

 Revox A77_49

...nachher.

Revox A77_40

Jetzt kann der Wiederaufbau beginnen.

 

A77 Nr1. Nr. 2 zerlegt_1 

 Hier die Nr. 2 links, während die Nr. 1 vollständig zerlegt ist. Einige Baugruppen fehlen aber auf dem Bild.

 

 Revox A77_41

Die Marke im Trägergestell zeugt vom Herstellungsjahr Mai 1976.

 

Es folgen nun die einzelnen Baugruppen, die jeweils aufgearbeitet werden müssen, bevor sie wieder eingebaut werden können.

Revox A77_112

Das klebrige Nextel auf den Wickeltellern aus überdrehten Gußaluminium, welche ab der Version Mk IV damit lackiert wurden, störte mich. Diese Farbe altert, besonders das Mattgrau, zudem wird es dann sehr unansehnlich. Mit gefallen die silberfarbenen Teller der Versionen Mk II und III deutlich besser. Also entschloß ich mich, das Nextel zu entfernen. Das geht am besten mit Aceton, ist aber dennoch ein mühseeliges Geschäft, denn so leicht geht das Nextel wieder nicht runter. Zudem sollte wegen der Acetongase gut gelüftet und mit Handschuhen gearbeitet werden.

 

Revox A77_113

Das sieht schon besser aus. Nur der Innenbereich will noch nicht ganz zufrieden stellen. Die Flecken gingen nicht zu entfernen.

 

Revox A77_114

So entschied ich mich, die Fläche auf der Drehbank fein zu überdrehen.

 

Revox A77_115

Damit bekamen die Teller ein ähnliches Aussehen wie die der Mk II bis III, nur das hier das nackte Alu leicht angerauht bleibt, während die Originale innen silberfarben lackiert sind. Die Teller wurden dann auf der Nr. 2 montiert, Bilder kommen weiter unten.

 

Das Relaisbord für die Steuerung des Laufwerks

Revox A77_44

Reinigung der Relaiskontakte

 

Revox A77_45

Revox A77_46

Auch die Kontakte der Fassungen wurden gereinigt. Elkos gegen neue getauscht. Die drei Enstörkondensatoren waren schon im Vorbesitz getauscht. Im Original sind die RIFA-Typen verbaut, die wegen Explosionsgefahr dringend getauscht werden sollten.

 

Revox A77_48

Die Schiebeschalter wurden ebenfalls zerlegt und die Kontakte gereinigt. Anschließend wurden die Schalterführungen mit etwas Vaseline geschmiert, was für einen geschmeidigen Gang sorgt. Die Laufwerkstasten sind bei der A77 aufwändig gebaut und sehr angenehm zu drücken.

 

A77 Mk IV_1 

 Vorher....

Revox A77_47

 ...nachher.

 

Die Wickelmotoren

Revox A77_30

Die Kugellager sind schon stark verölt. Das kommt davon, das im Vorbesitz nur nachgeölt aber nie gereinigt wurde. Dadurch sammelte sich immer mehr Öl an, welches sich schon an der Achse verteilte, es war viel zu viel.

 

Revox A77_31

 

Revox A77_32

 

Revox A77_33

Zwei Federscheiben halten die Achse des Motors unter mechanischer Spannung, so daß sie in der richtigen Position verbleibt. Zugleich bekommen die Kugellager dadurch die nötige Vorspannung.

 

Revox A77_34

Die alten Kugellager mit einem verharzten Gemisch aus Öl und Fett.

 

Revox A77_36

Es kamen neue Kugellager zum Einbau. ABEC-7 und Lagerluft C2 (Beides steht für ein engtoleriertes Spielmaß) sorgen für präzisen, ruhigen Lauf.

 

Revox A77_35

Hinten schon ein gereinigter Motor, der vordere muß noch revidiert werden.

 

Revox A77_37

Das neue Lager an seinem Platz.

 

Revox A77_39

Dito an der Vorderseite, wo später wieder die Bremstrommel und darauf der Wickelteller kommen.

 

Revox A77_38

Die beiden fertig aufgearbeiteten Wickelmotoren sind bereit für den Wiedereinbau.

 

Revox A77_52

Als erstes kommt das Netzteil wieder an seinen Platz.

 

Revox A77_53

Danach die beiden Wickelmotoren.

 

Revox A77_54

 

 Revox A77_56

Dann wird die Bremsmechanik vorbereitet. Die Bremsen selbst müssen noch überarbeitet werden.

 

 Revox A77_55

Der Zugmagnet für die Bremsen. Der Anker ist mit Graphit beschichtet, damit er gut gleitet. Daher sollte die Oberfläche vorsichtig behandelt werden.

 

Revox A77 Nr.1

Es kommt ein neuer High-Speed-Capstanmotor zum Einbau. Die Glocke gefiel mir aber vom Normalspeedmotor besser, daher wurden die Glocken getauscht. Im Hintergrund auf dem weißen Papiertuch die ausgebaute Highspeedachse. Alle Lager wurden neu geölt.

 

Revox A77_57

Revox A77_58

Rechts der Highspeedmotor.

 

Revox A77_63

Fertig montiert, auch der Drehzahlsensor wurde vom anderen Motor übernommen und alles gereinigt.

 

Revox A77_60

Das Abschirmblech.

 

 

Revox A77_61

Der HS-Motor hat versetzte Montagewinde in der Montageplatte, damit die Position der dickeren Achse ausgeglichen ist.

 

Revox A77_62

Die Lauffläche ist noch recht gut erhalten. Der leichte Abrieb vom Band stört nicht weiter.

 

Revox A77_64

Der Tonmotor eingebaut. Auch die Relaisplatine zur Laufwerkssteuerung ist wieder an ihrem Platz. Ebenso der zweite Zugmagnet für Andruckrolle und Schaltstange.

 

 


 

 

 

 

 

 

 

Fortsetzung folgt....