Anhand eines defekten Aufnahmekopfes 022 einer Revox A77 zeige ich hier wie man einen defekten Tonkopf wieder reparieren kann.
 
Zunächst eine kurze Betrachtung zum Aufbau des Kopfes. Materialkenntnisse sind zur weiteren, erfolgreichen Bearbeitung durchaus hilfreich, daher sollte man sich den zu bearbeitenden Kopf genauer anschauen. Das Gehäuse besteht aus zugesägten Aluminium in Strangprofilen gezogen. Es ist parallel zum Kopfspalt in zwei Hälften ausgeführt, zusätzlich hat es einen Deckel und einen Boden. Im Deckel hat man bei Revox mittels Schlagziffern den Typ markiert, im Boden befindet sich ein Befestigungsgewinde. Die Teile sind mit weicheren Montagekleber verleimt und werden mit zwei seitlichen Stahlspangen zusätzlich fixiert.
 
 
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An dieser Kante erkennt man, das der Kopfspiegel noch genügend Materialreserven hat.
 
 
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Zu den oberen und unteren Ende des Kopfspiegels erkennt man die trapezförmigen Erweiterungen.
 
 
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Eine Bronzefolie im Kopfspalt soll Wirbelströme reduzieren.
 
 
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Entfernen der Stahlpsangen.
 
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Auf dem Spiegel sehen wir die Blechpakete, je ein Paket für den jeweiligen Kanal sowie eine zweilagige Trennschicht aus Eisenblechen, die die Kanaltrennung begünstigen sollen. Die Kontakte zu den innen liegenden Spulen sind als Messingpins ausgeführt, welche in Kunststoffführungen isoliert und befestigt sind.
 
Im vorliegenden Exemplar bestehen als Mangel neben einen Einschliff am Kopfspiegel auch der Ausfall des rechten Kanals. Eine Durchgangsmessung mit dem Multimeter ergab eine Unterbrechung, während der linke Kanal mit 17 Ohm gemessen wurde.
 
Um der Ursache näher zu kommen, ist es notwendig, den Boden des Kopfes zu entfernen. Dazu müssen die beiden seitlichen Fixierspangen entfernt werden und dann den Boden abhebeln, der Kleber ist nicht allzu zäh, so das der Kopf schnell offen war.
 
 
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Die Spulen sehen noch einwandfrei aus, kein optisches Anzeichen von Überhitzung (Schmorschäden) oder Durchschlag aus Überspannung. Beides kommt bei solchen Teilen praktisch auch nie vor. Nach genauerer Beobachtung zeigte sich eine kleine Schlinge vom Spulendraht oben an der linken Spule im Bild. Diese war lose und das Lötende sichtbar. Anscheinend wurde mal zu heiß gelötet und so löste sich das Lot auch innen und der Draht fiel ab. Nach dem das Ende wieder an den Pin gelötet wurde, war der Kontakt auch wieder hergestellt.
 
 
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Eine Messung mit dem kleinen China-Tester ergab dann auch im Rahmen von Mess- und Fertigungstoleranzen für beide Spulen in Reihe 17 Ohm und 7mH bei 1000Hz.
 
Das Gehäuse kann nun wieder verschlossen werden, das ist hier etwas knifflig. Ich habe Pattex Kontakt aufgetragen und nun mußten die beiden Spangen wieder angeklipst werden, was gar nicht so einfach ist, wie es scheint. Denn es müssen beide gleichzeitig greifen, geschieht das nur einseitig, zieht die Spange den Deckel zu sich herüber und die andere greift dann nicht mehr. Schließlich gelang ist, dann kann man den Deckel/Boden noch etwas ausrichten und dann den Kleber trocknen lassen.
 
Nun sollte man erst einmal den Kopfspiegel prüfen, in welcher Art der Einschliff besteht. Am Einschliff erkennt man, dass der untere Teil noch deutlicher als der obere eine trapezförmige Verbreiterung hat. Das deutet darauf hin, das sich das Band stets zum Wölben nach innen neigt und der Bandzug an den Kanten stärker als im Mittelbereich ist. Bei den Revoxmaschinen ist zudem die Bandführung offenbar so, das selbst bei korrekt eingetaumelten Köpfen der Bandzug unten am Rechten Kanal am stärksten wirkt. A77 wie B77 haben auch keine echte Bandzugregelung mit Regelkreis. An der trapezförmigen Verbreiterung ist der Einschliff stärker und tiefer. Diese Eigenschaften beobachte ich bei nahezu allen Revoxmaschinen, welche schon fortgeschrittenen Einschliff an den Köpfen zeigen.
 
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Hinzu kommt beim vorliegenden Exemplar eine Beschädigung der Gehäuseoberfläche zwischen dem Blechpaket des rechten (unteren) Kanals und dem Trennblechpaket. Hier sind kleine Löcher im Aluminium eingefressen, irgend etwas hatte zuvor einmal mit dem Alu chemisch reagiert. Zwar sind die Löcher nicht wirklich schlimm, aber für den Bandlauf ist eine glatte Fläche sicher die bessere, also überlegte ich eine Verfüllung der Löcher. Ich habe noch etwas Alukunstharz übrig und verwendete dieses, vorsichtiges Aufdrücken eines winzigen Stückes von der Messerspitze. Das Kunstharz verbindet sich gut mit dem Aluminium, wird recht hart und schleifbar.
 
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Nach Aushärtung wurde es weitgehend mit einer Nadelfeile abgetragen, bis auf ein paar Reste. Dabei kamen auch ein paar Kratzer auf den Kopfspiegel, aber nicht tief.
 
Die Läppung sollte die zylindrische Kopfspiegelfläche in geometrischen Bezug zum Kopfspalt berücksichtigen und weitmöglichst wiederherstellen. Das geht eigentlich nur, wenn der Kopfspiegel eine geometrische Bezugsfläche bekommt. Diese nimmt man hier vom Deckel, der rechtwinklig zum Spiegel steht und eine ausreichend glatte Fläche bietet.
   Vom Einschliff sollte man möglichst nur die scharfen Kanten vom Übergang des Einschliffes zum Kopfspiegel brechen und dem Radius des Spiegels überführen. Es empfiehlt sich daher gundsätzlich, nur bis an den Kopfspalt heran zu schleifen, ohne auf den Spalt selbst zu gehen, dann trägt man nicht mehr ab. Besonders bei tiefen Einschliffen ratsam.
   Im vorliegenden Kopfexemplar muß ich davon aber abweichen, da die Verfüllung ebenfalls verschliffen werden muß. Der eigentliche Einschliff durch das Band ist dagegen noch recht gering, so das genügend Materialreserve zur Verfügung steht. Daher wird der "Grobschliff" mit 600er Korn auch über den Spalt erfolgen müssen um die Verfüllungen einzuebnen.
 
 
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Als Vorrichtung zum Läppen dient eine exakt geschliffene Fliese. Diese empfiehlt sich noch eher als eine Glasscheibe, denn sie ist zum einen deutlich stabiler und durch ihre fein geschliffene Fläche deutlich planer. Das erkennt man auch gut im Reflexbild der Oberfläche. Um dem Schleif- und Läppvorgang den geometrischen Bezug zu geben, dient ein Aluwinkel als Anschlagsfläche zur Bezugsfläche des Kopfes, hier sein Deckel. Zugleich drückt das Aluprofil das Schleifpapier gut auf die Fliesenoberfläche und fixiert es. Der Kopf wird jetzt am Aluprofil entlang gezogen. Den Kopf halte ich zwischen Zeigefinger und Daumen, der Mittelfinger drückt den Kopf gegen das Profil. Drücken wie ziehen aber nur mit geringer Kraft, das Eigengewicht der Hand reicht dafür schon völlig aus.
 
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Nach drei bis vier Zügen immer mit einer Fadenzählerlupe oder Vergleichbarem den Schliff prüfen und damit den Vorgang unter Kontrolle behalten. Der Füllspachtel und die Kratzer waren schon nach wenigen Zügen verschliffen, so daß ich gleich auf feinere Schleifgrade wechseln konnte. Vor jedem neuen Schleifgrade alles gut reinigen, damit sich keine gröberen, gelösten Schleifkörner auf das feinere Material verteilen können und für Riefen sorgen. Dazu auch den Kopf auf einem Microfasertuch abwischen.
 
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Weiter geht es mit 1000 und 1200. Die feineren Schleifgrade dauern ein wenig länger hier also 10 bis 20 Züge und immer wieder mit Zwischenkontrolle des Schleifbildes. Die Oberflächenstrukturen gleichen sich immer mehr der Originaloberfläche an den Randbereichen an, bei 1200 beginnt die Schlifffläche bereits mehr zu glänzen. Erkennt man die Grenzen des Schleifbereiches und sind diese parallel zum Kopfspalt, ist man auf gutem Wege. Ich bin hier einen Kompromis eingegangen, denn um den Einschliff komplett zu beseitigen, müßte ich im Bereich des Kopfspaltes deutlich mehr abtragen, bis ich den Trapezeinschliff unten erreiche. Es ist jedoch zu erwarten, dass sich das Einschliffbild bald wiederherstellt, das der Bandzug wieder sein Werk verrichten wird. Ich habe daher nur das obere Trapez verschliffen und unten nur einen Teil. Anhand der rechtwinkligen Führung am Anschlag kann man das gut kontrollieren und steuern, was bei freihändigen Schliff kaum möglich ist. Auch im Werk werden die Köpfe in mechanischen Vorrichtungen exakt geführt.
 
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Besonders auf dem grünen Micromeshbogen sieht man die rechte Spur in der Mitte nicht vollständig, daran erkennt man auch, das hier das Material schon weiter vom Bandverschleiß abgetragen wurde.
 
 
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Nach dem 1200er Blatt wechsle ich nun auf Micro Mesh, ein besonders feines Schleifblatt, welches in verschiedenen Schleifgraden bis hoch zur Politur verwendet werden kann. Ich gehe alle Grade durch und beginne mit dem gröbsten, in Blauer Farbgebung. Schon beim nachfolgenden Blatt in Braun beginnt die Oberfläche zu glänzen. Eigentlich kann man hier schon aufhören, denn das Band sorgt für die weitere Politur. Doch wollte ich mich der Oberflächengeometrie vergewissern und ging daher auch die Poliergrade durch. Der Kopfspiegel wurde seinem Namen gerecht und der Glanz wurde so fein, das er begann zu spiegeln. Am unteren Trapezeinschliff sieht man eine verbleibende Rauigkeit. Das zeigt zum einen, das der Kopfspiegel seinen geometrischen Bezug zum Kopfspalt beibehalten hat und der Spiegel rechtwinklig zum Gehäuse ist. Das sich nach innen wölbende untere Bandkante wird die etwas rauere Stelle bald auspoliert haben. Somit wurde noch die größtmögliche Menge an Material am Kopfspalt weitgehend beibehalten, wie man an der Abbildung auch erkennen kann, damit sind noch viele Betriebsstunden drin. Mit einem grünen Edding versah ich den Kopf abschließend wieder mit seiner Farbcodierung.
 

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Auch die Verfüllung des Loches war erfolgreich, sie fällt nur im Auflicht auf, aber die Oberfläche ist sehr glatt geworden.

 

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Es ist immer noch genug Material am Kopfspiegel verblieben, der Abtrag war nur minimal.